Zwei Pullover ersetzten mein Kopfkissen – Update

Vorbereitungen auf eine Wanderschaft im Sommer. Dabei ist es mehr als es von Außen scheint. Meine Vorbereitungen könnte man sehen wie die Einkäufe für einen ersten Camping Urlaub. Rucksack, Schlafsack, Luftmatratze. Alles Dinge um außerhalb eines beheizten Hauses einige Nächte zu verbringen. Leichtes Gepäck eben. Aber je weiter ich voranschreite mit meinen Planungen, desto mehr erkenne ich, dass sich erneut alles um die Reduzierung der Fallhöhe dreht.

Und darum, dass ich trotz meiner vielen Jahre des gelebten Minimalismus Fehlern gegenüber noch immer nicht immun bin. Das aufblasbare Kopfkissen ist so ein Beispiel. Eine ganz klassische Falle. Man kommt zu einem Problem und sucht nach einer Lösung. In meinem Fall ging es so: Zum Übernachten benötige ich ein Kopfkissen. Mein bisheriges Kopfkissen kann ich unmöglich in einen 60 Liter Rucksack unterbringen. Es nähme viel zu viel Platz ein. Also brauche ich ein Camping Kopfkissen.

Und dann stellt sich nach der zweiten Nacht heraus, dass ein Kopfkissen aus Luft für mich völlig ungeeignet ist. Andere mögen damit zurecht kommen. Ich aber habe zwei Nächte kaum geschlafen und bin an zwei Morgen mit Nackenschmerzen aufgewacht. Nur froh darüber, dass ich schon vor dem Kauf des Rucksacks beschlossen habe, jedes neu angeschaffte Teil meiner Ausrüstung erst ausgiebig zu Hause zu benutzen. Dieses kleine Beispiel zeigt aber weitaus mehr.

Wie häufig geraten wir an ein Problem und sind fest überzeugt, dass es ein Produkt für die Lösung unseres Problems gibt? Ich bin offenbar in einer Welt aufgewachsen, indem es so scheint als könnte man jedes Problem am besten mit einem Produktkauf lösen. In solchen Augenblicken zeigt es sich jedenfalls besonders. In der zweiten Nacht kam ich dann durch Nachdenken (ein ungemütliches Kopfkissen hilft hier bisweilen vorzüglich) auf meine Lösung. Zwei Pullover zur gewünschten Größe zusammen gefaltet, dienen mir jetzt seit weiteren zwei Nächten als Kopfkissen. Und ich schlafe gut. Endlich wieder gut.

Das ist selbst für mich eine ganz neue Ebene des Minimalismus. Zwei Pullover werden zu einem Kopfkissen. Da es ohnehin klug ist bei einer Wanderung zwei Pullover mit sich zu führen, die man nachts im Schlafsack nicht benötigt, ist es für mich die universelle Lösung meines Problems. Es wäre also gar nicht nötig gewesen Geld dafür auszugeben. Das macht wieder bescheidener, glaubte ich doch fast, mir könnten keine Fehlkäufe mehr passieren.

Marco Mattheis, 20.Februar 2016

Dann nach über einer Woche auf den zwei Pullovern muss ich schmerzhaft eingestehen, dass diese Lösung auf Dauer nicht funktioniert. Offenbar zu hart die neue Unterlage für meinen Schädel. Nach einer Woche Nackenschmerzen, gebe ich vorerst auf. Probiere es jetzt mit einem ganz kleinen Kissen aus. Das macht mir etwas Sorge für das kommende Experiment ein paar Nächte am Stück auf einer Luftmatratze zu schlafen. Wird das ebenso unerträglich ? Bin ich vielleicht gar nicht für das Campingleben gemacht? Haben mich 33 Jahre weiche Matratzen und Riesenkopfkissen so verweichlicht, unwiederbringlich ungeeignet für ein Überleben in der Wildnis gemacht?

4 thoughts on “Zwei Pullover ersetzten mein Kopfkissen – Update

  1. Astrid

    Hallo Marco,

    Deine neuen Gedanken lohnen sich schon aus einem Grund:

    “Ich bin offenbar in einer Welt aufgewachsen, indem es so scheint als könnte man jedes Problem am besten mit einem Produktkauf lösen.”

    I C H wohl auch. Und wenn ich so Deine Zeilen lese, dann gehe ich noch einen Schritt weiter. Durch die fehlerhafte Annahme, dass durch den Kauf eines NEUEN Produktes das Problem gelöst werden kann, verlieren wir möglicherweise ein Stück der eigenen Denk- und somit Lösungsfähigkeit. Dazu fällt mir “MacGyver” ein. Kennst Du? 😉

    Liebe Grüße aus Berlin.
    Astrid

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    1. marcomattheis Post author

      Aber natürlich kenne ich “MacGyver”. Klebeband + Plastikrohr + Backpulver = Rakete. Der hätte sich ein Kopfkissen aus Sand gebastelt schätze ich. Aber in die Richtung darf es ruhig gehen, mehr problemlösendes Denken.

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  2. Tanja Heller

    Hast du’s zurückgebracht, Marco? Ich bringe Fehlkäufe auch zurück. Seitdem kaufe ich ganz anders ein. Warum gehst du nicht einfach los und planst so viel? Aus zwei Pullis das Kopfkissen zu machen wäre dann von sich aus passiert. Mache ich schon so auf dem Balkon wenn ich an der Wand lehne und warte bis die Handwerker endlich weg sind. Irgendwie machst du es dir ganz schön schwer. Ja, klingt nach gelernt, sich Lösungen zu kaufen. Dabei kannst du auf deine Kreativität unterwegs vertrauen. Dir wird das Richtige einfallen, wenn du es brauchst. 60 l? Noch für den Schlafsack meinst du bestimmt. Sonst reichen 30 l. Etwas Luft rauslassen kann auch helfen und die Nackenschmerzen sind weg. Kenne ich so vom Wasserbett. Du hast mir aus Versehen den entscheidenden Hinweis und zum Durchbruch mit Gewohnheit 2 verlernen gegeben, mit einem Kommentar zu Übermüdung. Dass da das Gehirn in alte Bahnen geht. Seit ich mehr schlafe, bin ich viel entspannter und schaffe Rekorde.

    Liebe Grüße – Tanja

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    1. marcomattheis Post author

      Ja, Schlaf ist nach Wasser und Essen das wichtigste für unseren Körper. Einfach loslaufen ist mehr oder minder mein Plan, aber ein wenig Ausrüstung brauche ich noch und ein paar Kenntnisse, um es so zu machen, wie es mir vorstelle. Außerdem ist es erst im Juli soweit. Solch profane Dinge wie Urlaub, Schulferien und die Betreuung einer jungen Dame legen den Zeitrahmen dieses Jahr recht fest. Außerdem habe ich gelernt die Vorfreude zu genießen und die vielen kleinen Erfolge in der Vorbereitung. In den 60 Liter Schlafsack kommt neben ein wenig Ersatzkleidung, der Schlafsack, das Zelt, die Luftmatratze, ein wenig Nahrung und Wasser und ein paar Gerätschaften um mir unterwegs selbst helfen zu können. Wie gewohnt werde ich darüber berichten. Danke für deine Gedanken.

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