Warum ich den meisten Nachrichten aus dem Weg gehe

Bisweilen gelingt es mir sehr gut meinen Medienkonsum zu verringern. Vor allem eines merkt man schnell: Die vielen Schlagzeilen, die tausend kleinen Meldungen zum Aufregen, man vermisst sie nicht. Ist es wirklich wichtig für mein Leben zu wissen, ob schon wieder jemand an einem Bahnhof zusammengeschlagen wurde? Während ich diese Zeilen schreibe, leben schätzungsweise 7,2 Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Morgen werden es wieder ein paar mehr sein. …

Die Menge an menschlichen Tragödien ist nahezu unendlich. Wir alle haben uns daran gewöhnt: Berichtet werden fast ausschließlich die schlechten Ereignisse. Fast könnte man meinen es gäbe gar keine anderen. Keine Hochzeiten, keine problemlosen Geburten, keine Menschen die einander vergeben, die sich nicht so wichtig nehmen, die über eine Beule im Auto lachen und ihrem Mitmenschen nicht eine in den Kopf schlagen wollen.

Ich bin kein vernagelter Optimist. Ich weiß, dass da draußen ein paar richtig dumme Menschen herumlaufen, solche die gerne wieder andere Menschen durch die Straßen hetzen würden, brennende Kreuze aufstellen möchten und jeden denkenden Menschen irgendwie als Bedrohung betrachten. Und dann noch ein paar Millionen, die mit ihrem Leben gerade einfach heillos überfordert sind. Eigentlich ganz nette Menschen, die dann aber plötzlich auf dem Parkplatz das Fenster runterkurbeln und aus vollem Hals ihr Gegenüber anbrüllen, ihn verfluchen und beschimpfen.

Aber – und jetzt kommt der Punkt – die Berichterstattung, sie dient keinem Zweck außer Aufregung zu verbreiten. Sie folgt immer dem gleichen Schema. Gewalttat – härtere Strafen. Technisches Versagen – mehr Technik. Terrorismus – mehr Kontrolle. Menschliches Versagen – mehr Kontrolle. Krieg – Appelle für einen Friedensprozess (auch von jenen, die die Waffen liefern). Ach ich komme ins Schwadronieren und Lamentieren denke ich nur länger darüber nach. Was tun? Ich komme immer wieder auf folgende Lösung für mich zurück.

Will ich mich wirklich informieren über ein Thema, ich warte die Aufregung ab und kaufe ein Jahr später ein Buch zum Thema ,schaue eine gründlich recherchierte Dokumentation oder lese ein Interview mit einem, der dabei war.

Im Alltag schaue ich faktisch keine Nachrichten mehr. Viel mehr informiere ich mich kurz zu einzelnen Themen, die mein eigenes Leben tatsächlich betreffen. Der Angstmache gehe ich wo immer möglich aus dem Weg. Am Ende auch nur Mensch, macht sie mir Angst.

One thought on “Warum ich den meisten Nachrichten aus dem Weg gehe

  1. BIG M

    Ich strecke gerade erst meinen kleinen Zeh vorsichtig in die Welt, des Minimalismus. Habe da also noch nicht viel Erfahrung. Was ich aber sagen kann ist, dass bei in derselben Zeit, in der ich mich mit Minimalismus/Downsizing beschäftige, mein Medienkonsum deutlich nach oben gegangen ist – aber gleichzeitig ist er auch viel bewusster geworden, Weniger “Junkfood”, dafür mehr “Biokost” sozusagen (ach würde ich das bei meinem richtigen Essverhalten nur auch hinkriegen …).

    Adam Baker beginnt seinen Vortrag zu Minimalismus mit der Frage: “Was bedeutet Freiheit für dich?”
    Es macht für mich Sinn die Fragen nach dem “frei von” und “frei für” in diesen Kontext zu stellen. Frei sein ist für mich untrennbar mit Leben in einer offenen Gesellschaft verbunden. Eine solche macht vielen Angst. Die bekommt man nicht von selbst. Für die muss man einstehen. Und das ist schwerer, wenn man nicht weiß, was vor sich geht.

    Nun kann ich deinen Frustration mit den Medien(konsum) gut verstehen. Auch hier gibt es VIEL Müll und dazwischen nur wenig Nützliches … und das ist nicht immer leicht zu finden. Auch hier braucht es also eine Reduktion auf das Wesentliche. Aber das Wesentliche, dass ist dann auch … äh … in Ermangelung eines besseren Wortes: wesentlich.

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