Warum es klug ist seine Fallhöhe schon heute zu reduzieren.

Wenn ich mit Leuten über Minimalismus im weitesten Sinne rede, höre ich häufig Aussagen wie diese:

Warum sollte ich mich einschränken und auf Dinge verzichten, die mir Spaß machen, wenn ich es nicht muss? 

Die Welt geht ohnehin kaputt.

Viele Menschen sind davon überzeugt, dass ein nachhaltiges Leben keinen Sinn und vor allem keinen Spaß macht. Sie fliegen nunmal gerne in den Urlaub und wollen nicht über jede Autofahrt nachdenken und die Welt geht ohnehin kaputt. 

Solange die Chinesen so viel Dreck in die Umwelt pusten

Was können ein paar einzelne schon mit ihrem Verhalten bezogen auf die gesamte Welt verändern? Selbst wenn ein paar Millionen Deutsche auf ihr Auto verzichten und aufhören zweimal im Jahr um die Welt zu fliegen, ist das doch Nichts im Vergleich zu einer Bevölkerung wie China oder Indien, die gerade erst angefangen haben, die vermeintlichen Vorzüge der modernen Welt auszuschöpfen. Gern übersehen wird dabei, dass „die Chinesen“ auch so viel Dreck in die Umwelt pusten, weil sie unsere Konsumgüter unter Arbeitsbedingungen produzieren lassen, die für uns selbst nie in Frage kämen.

Wenn die Welt also ohnehin kaputt geht, kann ich auch normal weiterleben bis es eben so weit ist.

Das Problem, dass ich mit dieser Einstellung habe ist, dass sie dich jeden Tag zum hilflosen Opfer macht. In dieser fatalistischen Sichtweise (mag sie zum Teil auch zutreffen) ist alles vergebens. Weil also ein einzelner nichts ändern kann, brauchen wir uns alle erst gar nicht bewegen. Wir können weiterhin rumsitzen und unserem sozialen Netz mitteilen, wie schlimm es um die Welt bestellt ist und uns übertreffen im finden von wirklich Schuldigen, und wenn es auch nur der Kapitalismus ist, den wir alle täglich selbst fördern.

Der Gedanke geht also so: Nach mir die Sintflut. Aber bitte wirklich erst nach mir!

Dieser Opferhaltung geht mir auf die Nerven und ich versuche daher in meinem Alltag die Strategie „Fallhöhe reduzieren“ einzuüben:

Ich ändere mein Verhalten nicht, um die Welt zu retten. Ich ändere mein Verhalten, damit: 

Erstens
Die vielleicht kommende „Sintflut“ für mich nur ein Regenschauer wird.

Zweitens
Vielleicht doch aus ein paar Wenigen eine Gegenbewegung wird, ein Trend wird, ein Standortvorteil wird, eine Blaupause für andere Konsumgesellschaften wird. Das ist natürlich sehr groß gedacht. Aber andersherum kann auch keine „westliche Industrienation“ daherkommen und der Welt den Umweltschutz erklären, solange die eigenen Autobauer am liebsten große schwere Autos verkaufen.

Drittens 
Weil es ein modernes Abenteuer sein kann, gegen den Strom des Massenkonsums zu schwimmen, wo immer ich es schon kann. Ich möchte nicht mehr, dass sich das Lebendige in meinem Leben allein auf Konsum bezieht.

Mit Babyschritten anfangen

Beim Prinzip „Fallhöhe reduzieren“ geht es auch gar nicht darum, gleich alles richtig zu machen. Es geht vor allem darum, in kleinen Schritten einen anderen Weg einzuschlagen. Ich esse noch immer zu viel Fleisch (nachweislich ungesund und der größte Wasserverbraucher auf unserem Planeten) und fahre noch immer gelegentlich kurze Strecken mit unserem Auto aus Bequemlichkeit.

Sich selbst Zeit geben

Tiefgreifende Veränderungen passieren eben nicht so schnell und anstatt sich selbst und alle um sich herum zu kritisieren, weil sie noch immer keine vegetarischen-Selbstversorger-Fahrradfahrer auf Heimaturlaub sind, sollte man viel lieber auf das schauen, was jeder einzelne vielleicht schon erreicht hat und darauf aufbauen. Natürlich ist es nicht besonders nachhaltig seine Biolebensmittel mit dem Geländewagen in einer anderen Stadt einzukaufen. Aber der erste Schritt im Kopf ist getan und der Geländewagenbesitzer geht den Weg bestimmt nicht deshalb weiter, weil er von allen Seiten verbal mit Tomaten beworfen wird.

Lieber heute wollen als morgen müssen

Sollten wir uns wirklich einer Zeit nähern (und leider spricht einiges dafür), in der die modernen Normalität in großen Teilen nicht mehr möglich ist, weil zum Beispiel die Rohstoffe für vieles unbezahlbar werden,  dann ist es keine Frage des  Wollen, sondern des Müssen.

Lieber mit weniger auskommen, als beim Versuch des totalen Verzichtes scheitern. 

Ich entwöhne mich lieber heute schon spielerisch und mit einem Hang zum Abenteuer von einigen überflüssigen Angewohnheiten. Hier ein ganz banales Beispiel:

Seit ein paar Wochen trinke zum Beispiel so gut wie keinen Kaffee mehr. Kaffee ist nunmal kein Getränk, was dich gesünder macht. Und den Irrglauben, dass man ihn braucht, um wach zu werden, kann man auch überwinden. Um Wach zu sein gibt es nämlich ein viel besseres Mittel: Genug Schlaf.

Schon durch ein bisschen mehr Schlaf, brauche ich keine 3-4 Tassen Kaffee am Tag mehr. Es ging schnell und ich kam gut mit einer Tasse pro Tag aus. Nachdem der Kaffee im Büro aufgebraucht war, versuchte ich es ein paar Tage ohne und überlegte, wie ich die üblichen Kaffee Rituale ersetzen konnte. Mit etwas Phantasie und Entschlossenheit (wer ausreichend viel schläft ist übrigens wissenschaftlich bewiesen stärker in seiner Willenskraft) war das auch kein großes Problem. Mittlerweile stet die Senseo Kaffeemaschine im Schrank und wartet auf ihren Einsatz bei Besuchen oder auf Geburtstagen.

Vom Überfluss zum Hochgenuss

Heute ist Kaffee für mich ein absoluter Hochgenuss. Ich trinke ihn nur noch sehr selten und genieße ihn umso mehr.

Was tun bei Brandgefahr?

Wenn man in einem Hochhaus ist und weiß, dass die Nachbarn in der fünften Etage wie von Sinnen mit Feuer spielen und es auch bei bestem Zureden nicht sein lassen werden, was tun?

Man kann natürlich weitermachen wie bisher und auf die Feuerwehr hoffen. Man kann aber auch schon einmal langsam die Treppe herunter steigen und sich dem rettenden Ausgang nähern. Weil die Feuerwehr vielleicht zu spät kommt. Oder gar nicht.

Wenn wir also wirklich auf eine Ressourcen-Verknappung zusteuern, dann kann es nur klug sein, sein Leben heute schon darauf einzustellen und sich langsam von einigen Sachen zu befreien, unter denen wir ohnehin zu ersticken drohen, so dass es einem später nicht als Verlust erscheint.

Ich glaube übrigens nicht an eine plötzliche Apokalypse, sondern eher an eine schleichende Veränderung unseres Alltags. Vermeintlich normale Dinge werden teurer und seltener werden oder gar nicht mehr möglich sein. Wir können aber selbst bestimmen, wie wir diese Veränderungen erleben werden. Als Verlust und Verzicht von Wohlstand oder als Befreiung von einer Masse, die wir ohnehin schon lange nicht mehr richtig genießen können.

Eure Beweggründe für ein überlegtes Konsumieren und nachhaltiges wirtschaften würden mich heute besonders interessieren. Warum überhaupt etwas ändern, wenn man sich damit so häufig zur Spaßbremse macht?

 

 

18 thoughts on “Warum es klug ist seine Fallhöhe schon heute zu reduzieren.

  1. Astrid

    Lieber Marco,
    „Lieber heute wollen als morgen müssem.“
    Diese Aussage finde ich großartig. Wir können heute schon üben, um dann in einer gewissen Zeit einen Lebensstil leben zu KÖNNEN, zu dem wir ganz sicher gezwungen werden. Sonst ist es ähnlich einem Süchtigen von jetzt auf gleich sein Suchtmittel zu nehmen. Wenn ich mich freiwillig entscheide am entgrenzten Konsum nicht mehr teilzunehmen, dann kann es gelingen, im Falle einer „Altersarmut“ diese so gar nicht zu erleben. Das alles, was Du beschrieben hast, hat für mich sehr viel mit einer neuen Art der Autonomie und der Selbstbestimmtheit zu tun. Ich habe langsam eine Ahnung davon, wie sich wirkliche Freiheit anfühlen kann.
    Du hast mich inspiriert genau darüber zu schreiben, worüber ich gestern mit einem sehr guten Freund lange gesprochen habe.
    Liebe Grüße
    Astrid

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    1. Dieter

      Astrid hat recht. Das Thema Altersarmut passt hier wie die Faust aufs Auge und mit einem blauen Auge will ich auch gerne davon kommen. Deshalb nehme ich jetzt schon mal zurück anstatt mit verschlossenen Augen und Vollgas in die Faust zu rennen.

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      1. Astrid

        … jetzt üben, was viele von uns dann mal müssen. Was ich geübt habe, gelingt mir besser. Und Altersarmut kommt. Dann ist es aber eine Frage des Rahmens, in dem ich mich dann bewegen kann. Danke für Deine Zustimmung.

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    2. marcomattheis Post author

      Wichtig ist mir dabei vor allem, dass ich nicht gegen Konsum bin, sondern (du sagst es an einer Stelle im Kommentar) gegen „entgrenzten“ Konsum. Das Thmea Altersarmut scheint (natürlich) viele Menschen zu bewegen. Privat habe ich darüber auch schon viel nachgedacht, aber bin noch zu keiner allgemeingültigen Aussage gekommen. Vielleicht gibt es die aber auch gar nicht.

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      1. Astrid

        Ich denke auch, was ist schon allgemeingültig. Ich bin fest davon überzeugt ;-), dass „Altersarmut“ vom Teich, in dem wir schwimmen, abhängig ist. Wir vergleichen leider oft „nach oben“.

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  2. Franz

    Die Aussage:
    „Warum sollte ich mich einschränken und auf Dinge verzichten, die mir Spaß machen, wenn ich es nicht muss? “
    ist lustig. Meistens lassen sich genau jene von ganz vielen „müssen“ treiben.
    – Sie müssen zwei Mal pro Jahr in den Urlaub fliegen, weil mit Urlaub in der Wohnregion kann man bei den Bürokollegen nicht punkten.
    – Sie müssen ein neues Auto haben, weil der Nachbar hat ja auch eins.
    – Sie müssen die neusten Schnäppchen vom Wühltisch vorzeigen weil man ja auch als erfolgreicher Jäger gelten will.
    Ich verzichte nicht auf Kleiderkauf weil ich als richtiger Minimalist dies machen muss, sondern weil mein Kleiderschrank jetzt schon voll ist.
    Ich habe kein Auto, nicht weil ich nicht „darf“ sondern weil ich Bahn oder Bus fahren viel spannender und entspannter finde.
    Ich lasse das neue Galaxy-Smartphone nicht aus Prinzip links liegen, sondern weil ich keinen Bedarf habe. Ich überlege mir, was ich brauche und lasse mich nicht von der tollen Werbung oder von anderen blenden (zumindest versuche ich es). Für mich ist es nicht ein Verzicht sondern es fehlt der Gedanke „das muss ich haben“.

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    1. Astrid

      Lieber Franz,
      ich finde Deine Sicht auf diese Dinge sehr spannend: „Es fehlt der Gedanke – das muss ich haben.“ Das könnte der Schlüssel sein.
      Es ist kein Verzicht, keine Klamotten zu kaufen, da mein 5-türiger Kleiderschrank voll ist und ich nicht kaufen muss. Eine Folge meiner eigenen Entwicklung weg von Kompensation hinzu wichtigeren Dingen in meinem Leben. Mein Iphone ist 4 Jahre alt. Ich kaufe kein neues Iphone, weil ich kein neues brauche. 😉
      Danke für Deine Gedanken.
      Astrid

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    2. marcomattheis Post author

      Es stimmt mich sehr hoffnungsvoll, dass die Stimmen, die das sagen häufiger werden. Ich glaube übrigens, dass viel mehr Menschen ähnlich denken, aber man sich ja auch nicht (auch ich nicht) bei jeder Gelegenheit dazu äußern möchte. Wenn zwei über ihren Transatlantikflug schwärmen, muss ich nicht ungefragt meine Ansicht darüber äußern. Jedenfalls empfinde ich es als ungemeine Freiheit, eben ganz viele Dinge nicht zu müssen.

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  3. Marco

    Hallo Marco,

    mein Konsum ist nicht besonders überlegt und mein Wirtschaften nicht besonders nachhaltig. Jedenfalls empfinde ich es nicht direkt so.
    Ich esse für meinen Geschmack ebenfalls noch zu viel Fleisch, fahre noch Auto (hier zum Glück schon deutlich weniger), mache gelegentlich Städtereisen (Kurztrips) auch mal mit dem Flugzeug, und noch viele weitere Dinge. Dies ist mir aber zumindest bewusst.
    Dennoch, mit einem einfachen Leben konsumiere ich insgesamt deutlich weniger und lebe vermutlich dadurch schon nachhaltiger, als ich es ohne diese Einstellung tun würde. Dies ist für mich aber schon selbstverständlich, sodass mir die zuvor genannten, negativen Aspekte viel stärker auffallen.

    Trotzdem bin ich davon überzeugt, selbst etwas ändern zu müssen, wenn auch nicht unmittelbar etwas verändern zu können.
    Das Thema, durch weniger Konsum eine Spaßbremse zu sein, gab es in diversen Finanzblogs schon vermehrt, auch wenn hier meist eine höhere Spar- und somit Investitionsrate angestrebt wird.
    Leider glauben heute anscheinend immer noch viele Menschen, dass derjenige der bescheiden lebt (ich meine damit unterhalb seiner finanziellen Verhältnisse/Möglichkeiten) ein tristes und trostloses Leben führt. In meinen Augen weit gefehlt!

    Viele Grüße,
    Marco

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    1. marcomattheis Post author

      Das ist wie so häufig eine Frage der Perspektive. Ich finde es hat für mich nichts mit Spaß zu tun, lange Stunden in Kaufhäusern zu verbringen oder mich über Kleidungsoutlets zu unterhalten. 90% meines Konsums ist mittlerweile rein zweckdienlich. Spaß habe ich aber trotzdem noch sehr viel. Heute morgen zum Beispiel als ich vor die Tür gegangen bin und dachte, dass ich auch im Urlaub sein könnte, so schön wie der Morgen ist. Bemerkenswerterweise klingt das überhaupt nicht cool, oder spaßig, sind aber genau die Bilder, die uns die Werbung immer zeigt. Schöne Landschaft, Autos auf leeren Straßen, entspannte Menschen, lachende Menschen. Ich wundere mich immer wieder, warum jemand dieser Werbemenschen annimmt, ich würde all diese tollen Situationen mit dem Kauf ihrer Produkte bekommen. Wenn ich eine leere Straße will, lasse ich das Auto stehen und gehe auf dem Bürgersteig. Da ist es meistens genau so leer, wie in der Werbung auf der Straße.
      Trist und trostlos erlebe ich die Welt meistens, wenn ich überflüssig konsumiere.

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  4. Tanja Heller

    Ich verstehe nicht, was Fallhöhe sein soll. Komfortzone vielleicht? Ehrlich gesagt fühle ich mich in keiner. Hab mir z. B. nie wirklich gute Boxen gekauft weil ich ja sonst um mich rum nur schlechtere Musik hören würde. Also mich erst gar nicht an Luxus gewöhnt. Die Messlatte nicht hoch gesetzt. Mir Sachen immer weggenommen um keine Gewohnheit aufkommen zu lassen. Der Verzicht auf Auto, Fleisch ist für mich keiner. Ich merke das gar nicht. Kaffee hingegen will ich mir lassen. Da bewundere ich dich. Ich habe gemerkt, mein eigentlicher Plan, von 50 auf 30 qm zu ziehen, da war eine Grenze. Wenn ich jetzt kleiner ziehe, sehe ich das als Zurückentwicklung. Die fällt mir nicht leicht. Die hat noch Zeit solange es geht. „Verändere soviel wie du verträgst.“ Das finde ich auch wichtig. Hab ich mal irgendwo gelesen.

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    1. marcomattheis Post author

      Komfortzone und Fallhöhe sind für mich zwei unterschiedliche Beschreibungen. Bei der Komfortzone geht es ja meistens diese zu verlassen oder sie zu erweitern. Also neue Erfahrungen zu machen, sich neue Dinge zu trauen etc. Wenn ich von Fallhöhe (reduzieren) spreche, meine ich damit, dass ich davon ausgehe, dass zukünftig etwas in sich zusammen brechen wird. Zum Beispiel unser heutiges wirtschafts- und Lebenssystem, dass darauf beruht, dass unsere Güter immer mehr und günstiger werden. Weil das in einer begrenzten Welt aber nicht möglich ist, muss zwangsläufig irgendwann ein Prozess des Schrumpfen einsetzen. Wenn man also das eigene moderne Leben mit all den üblichen Luxusgütern wie einen Turm betrachtet, in dem man lebt, wird der Turm zusammen brechen. Man wird fallen. Heute aber schon ein genügsames Leben so einzuüben, dass es Spaß macht, bedeutet für mich eben die Fallhöhe zu reduzieren. Ich hatte beispielsweise früher häufig die Sorge, dass ich mir vielleicht es irgendwann nicht mehr leisten könnte, stets die neuste Technik zu haben. Diese Sorge habe ich heute nicht mehr, da ich seit einiger Zeit regelrecht trainiere mit weniger Technik auszukommen, aber damit es sich nicht als Verzicht anfühlt, (du sagst es ganz richtig), verändert man am besten eben nur soviel wie man selbst verträgt. Mit der Zeit (so meine Erfahrung) verträgt man übrigens mehr als man zu Anfang jemals für möglich gehalten hat.

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  5. Tanja Heller

    Danke, Marco. Ich hab das eher wenn soziale Beziehungen wegfallen oder durch gesundheitliche oder altersbedingte Veränderungen. Bei Besitzreduktion ist es meistens eine Entlastung. Ohne Spülmaschine ist es viel einfacher für mich.

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  6. Gabi Raeggel

    Ich musste sofort (mal wieder) an einen Satz von Harald Welzer denken. Es hat nämlich in jedem Fall immer eine Wirkung selbst etwas zu tun und zu verändern – auch die winzigen, kleinen Schritte.

    „Soziale Transformationen sind ungleichzeitig; zunächst werden die sogenannten „first movers“ als Spinner betrachtet, dann als Avantgarde, dann als Vorbilder. Man braucht daher keine Mehrheiten um Gesellschaften zu verändern…. Drei bis fünf Prozent der Bevölkerung reichen … um einen tiefgreifenden und nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel in Gang zu setzen.“
    (Harald Welzer, Selbst Denken, Fischer-Verlag, Seite 185)

    In den 80er-Jahren waren Leute, die im Bioladen einkauften, weltfremde Ökospinner und war der Meinung, dass ohne das extrem umweltschädliche Perborat kein einziges weißes Wäschestück sauber würde. Heute ist ein Bioladen etwas völlig normales und Alternativen zum Perborat befinden sich heute auch in konventionellen Waschmitteln. – Ich denke, ähnlich wird es mit dem Minimalismus sein. Heute vielleicht noch Spinner, aber dabei wirds nicht bleiben, da bin ich mir ziemlich sicher.

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    1. marcomattheis Post author

      Ich hoffe sehr, dass Herr Welzer in diesem Punkt und speziellen Fall Recht behält. Ansonsten greift vermutlich Nico Paechs Argument, dass die Wachstumsgrenzen (Ressourcen, menschliche Grenzen) die Bevölkerungen der frühindustrialisierten Staaten irgendwann dazu zwingen etwas an ihrem Lebensstil zu ändern. Eben bei Design or Disaster.

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