Warum der Kauf einer Immobilie für mich nicht in Frage kommt!

Ich würde gerne schreiben können, dass ich niemals eine Immobilie besitzen wollte. Das klänge klar und stringent. Super konsequent. Ausgesprochen von einem, der schon immer wusste, was er wollte und eben auch nicht wollte.

Die Wahrheit ist aber das genaue Gegenteil. Die Wahrheit ist, dass ich noch während meines Studiums (2006) den Wunsch hatte, mir bald nach Erhalt des Diploms und dem Einstieg in das Berufsleben eine Eigentumswohnung zu kaufen. In meinen privaten Aufzeichnungen findet sich aber nicht ein einziger Grund dafür. Vermutlich waren es die, die ich auch heute hören würde, spräche ich mit einem Bausparberater.

Eigentum abzahlen statt Miete aus dem Fenster werfen. Sicherheit vor steigenden Mieten im Alter. Kein Ärger mit den Nachbarn. Umbauen und Ausbauen ohne um Erlaubnis bitten zu müssen. Vor allem wenn man zu einem Haus greift, freistehend. Genügend Platz, damit die eigenen Kinder während des Studiums nicht ausziehen müssen. Sich einfach wohl fühlen mit viel Platz. In einer besseren Umgebung wohnen, umgeben von Menschen, die es auch geschafft haben. Erfolgreiche Menschen eben. Im besten Fall ein bleibender Wert über viele Generationen hinweg. Nicht zuletzt der Garten direkt hinter dem eigenen Haus. Hier kannst du in der Sonne liegen, oder zum Selbstversorger werden.

Man kann bestimmt noch eine Reihe mehr Gründe finden, die es plausibel erscheinen lassen, sich eine Wohnung oder gar ein Haus zu kaufen oder bauen zu lassen. Am Ende bleibt es immer eine persönliche und emotionale Entscheidung. Mir wurde bei dem Gedanken an eine Immobilie zunehmend unwohl. Ich mag den Gedanken kurzfristig meinen Lebensmittelpunkt wechseln zu können. Eben zu können. Klar, das geht theoretisch auch mit einem Haus. Das lässt sicher verkaufen. Und das fast immer mit Gewinn, fragt man den entsprechenden Berater.

Da ich aber nicht nur mit sehr wenig Dingen und Möbeln auskomme, sondern mich in dieser Lebensweise besonders frei und leicht fühle, kenne ich auch keine Angst die Miete nicht aufbringen zu können. Im Zweifel käme ich mit einer sehr kleinen Wohnung gut zurecht. Ein Bett, ein Kleiderschrank (wer weiß wie lange noch) und eine kleine Kiste für meinen privaten Kram. Zwei, drei Stühle und ein Tisch. So sieht mein Bauspartraum aus.

Außerdem kann mir auf diesen Wege egal sein, ob die Stadt gerade eine neue Straße vor meiner Wohnung baut (Kostenbeteiligung) oder ein anderer Mieter im Haus der Meinung ist der Parkplatz müsste neu gepflastert werden. Auch der Gedanke an eine Eigentümerversammlung schreckt mich. Danke, nein. Ich zahle meine Miete und bin fertig. Auch die Angst im Alter keine bezahlbare Wohnung zu finden, hält mich nicht in Schach. Eher die Sorge im Alter in einem Haus zu sitzen, das wie ich selbst an Altersschwäche leidet. Woher soll ich heute wissen, wie man in 30 Jahren wohnt?

Bisweilen ist das aber schon seltsam. Ich bin jetzt 33 Jahre alt. Was mich mit vielen anderen Gleichaltrigen verbindet ist, dass viele jetzt ebenfalls Eltern geworden sind. Ein Freund fragte mich mal mit einem Augenzwinkern, ob es denn so minimalistisch sei, ein Kind zu bekommen. Heute kann ich sagen ja, wenn Minimalismus bedeutet sich mit 90% seiner Zeit und seiner Kraft auf eine Sache zu konzentrieren. Bei mir gibt es absehen von diesem blog keine Dinge mehr zu erledigen. Es wartet kein anderes Hobby mehr auf mich, vielleicht einmal abgesehen von meinen stetig wechselnden Projekten (Wandern im Sommer, weniger Fleisch, eine Weile ohne smartphone auskommen, das smartphone ganz abschaffen? etc.) Zurück zur Immobilie.

Das Problem an viel Wohnraum für mich: Leere Räume haben die fast magische Kraft sich selbst zu füllen. Das stimmt natürlich nicht. Es sind immer die Besitzer, die sie füllen. Aber ich stelle mir gerne vor, dass hier böse Mächte am Werk sind. Überprüft es einmal in eurem Bekanntenkreis: Kennt jemand ein Haus mit einem leeren Zimmer?

Und hat das Haus noch so viele Räume, seien noch so viele Kinder ausgezogen, schon bald ist der frei gewordene Raum wieder voll. Kurzfristig als zweiter Keller, bald vielleicht als Sportzimmer, Fernsehraum, Lesezimmer, Büro, Gästezimmer. Und all das kostet wieder Zeit zum Einrichten und Sauber halten, Arbeitszeit um die Möbel zu bezahlen und noch mehr Arbeitszeit für die Dinge, die man kauft, um die Möbel auch voll zu bekommen.

Ohne Frage gibt es zu kleine Wohnungen für Familien, ganz sicher aber auch zu große Häuser für Paare, Single und Familien. Meine persönliche Ablehnung gegen eine  Immobilie ist also nur zu einem Teil eine Kritik an der finanziellen Verpflichtung. Eher ist es eine Abneigung gegen Wohnraum, den man eigentlich gar nicht bräuchte und dessen Bewirtschaftung nur Energie bindet in Form von Zeit, Geld, Nerven. So schön, können Räume in einem Gebäude gar nicht sein, dass es sich für mich lohnen würde, diesen Preis dafür zu zahlen.

 

Nein, egal wie lange ich den Gedanken drehe und wende:  Ich lebe lieber ohne Immobilie. Noch nicht einmal für ein Tiny House welche sich unter Minimalisten weltweit immer größerer Beliebtheit erfreuen, möchte ich verantwortlich sein. Eine interessante Spielart der Immobilie, ohne Frage, darin einmal wohnen gerne, es besitzen, nein danke.

Viele Freunde und Bekannte in meinem Umfeld haben sich schon eine Immobilie gekauft oder haben es besonders jetzt vor. Die EZB hat just am heutigen Tag, dem 11.März 2016 den Leitzins auf historische 0% gesenkt. Allerorts hört man es gäbe gar keinen besseren Zeitpunkt sich eine Immobilie zu kaufen, was bereits dazu führt, dass zu wenig freie Immobilien auf dem Markt sind, die Preise enorm steigen.

Ach wie herrlich. Auch darum muss ich mich nicht kümmern. Wobei, das stimmt nicht ganz. Denn auch ich überlege derzeit mir eine Mobilie (!) zu kaufen. Irgendwie ist es auch ein Haus, aber eben sehr mobil. Es hat auch eine Weile gedauert, bis ich herausfand, welches es werden soll und bald werde ich es mir einmal aufbauen lassen, und mich einmal hineinsetzen. Und vermutlich werde ich es dann einfach spontan kaufen und bar bezahlen. Dann habe ich endlich ein eigenes Zelt, mit dem ich im Sommer unterwegs sein kann.

Marco Mattheis, 11.März 2016

9 thoughts on “Warum der Kauf einer Immobilie für mich nicht in Frage kommt!

  1. Astrid

    Lieber Marco,
    ein köstlich guter Artikel. Ich bin begeistert und frage mich, wo ich gleich unterschreiben soll, um meiner Zustimmung Ausdruck zu verleihen. Wunderbar.
    Ich bin 47 Jahre alt. Als ich in Deinem jungen Alter war, war fast jeder, der nicht ein eigenes Haus umsetzen wollte, schon fast ein Versager und Verweigerer. Obwohl ich damals anders unterwegs war, erdrückte mich das Gefühl, Verantwortung für ein nichtbezahltes Haus zu übernehmen. Und heute??? Ich bin soooo dankbar, dass es dafür nie gereicht hat. Emotional und finanziell.
    Das Gefühl, im Alter diese Last zu tragen, empfinde ich ganz schön beängstigend.
    Danke für Deine Inspiration, mich in diesem Kontext wieder selbst zu sehen. 🙂
    Liebe Grüße aus einer wunderschönen und bezahlbaren Altbauwohnung im Herzen Berlins.
    Astrid 🙂

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    1. marcomattheis Post author

      Danke. Ich hoffe ich werde das auch in einem oder zwei Jahrzehnten noch so sehen. Nach jetzt über 10 Jahren Minimalismus, glaube ich aber schon, dass ich die Entscheidung gegen ein Haus nicht bereuen werde. Ich finde es auch heilsam, dass es einen Wertewandel gegeben hat und man heute nicht mehr als Verlierer angesehen wird, wenn man sich bewusst gegen eine Immobilie entscheidet.

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  2. Tanja Heller

    Die Traumimmobilie ist keine zu haben. Ich rufe unglaublich gerne die Handwerker und die Rechnung geht an den Vermieter. Ich kann flexibel umziehen wie ich will. Mit gefluteten Kellern hab ich nix zu tun. Ich hab noch nicht mal was in meinem Keller stehen. Geil, oder? Meine Tochter ist auf’m Sprung und 18. Nein, die wollen nicht zuhause wohnen bleiben und das wollte ich damals auch nicht. Dass die Immo dann ja auch alt ist, wenn man alt ist. Der Satz hat mir richtig gut gefallen.

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  3. Gabi Raeggel

    Hach, sehr schön geschrieben! Es spricht mir – ohne Kind und mit Mitte 50 – wirklich aus der Seele. Wir wohnen hier in einem Mietshaus, allerdings mitten in einer Eigenheimsiedlung. Was z.B. sehr nervig an diesen Eigenheim-Wohngegenden ist: Die Eigenheimbesitzer mähen ihren Rasen gerne am Wochenende. Am Wochenende wird dann auch gerne lautstark im Garten gewerkelt, gesägt, gehämmert – damit sich’s lohnt natürlich schon vormittags. Und die Kamine – lieber Himmel, die sind ja jetzt super modern und die Holzbriketts, die jetzt ebf. modern sind, die stinken wie Hacke. Wir warten derzeit auf eine Wohnung in einer Gegend, wo fast nur Mietshäuser sind, da kommt irgendein Gartenbaubetrieb wochentags(!) und mäht die Wiese, Kamine gibts kaum oder gar nicht und eigene Gärten zum Sägen, Hämmern, Werkeln, Wintergarten basteln und weiß ich was, sind auch nicht da, aber gemeinschaftliche Nutzflächen zum Erholen. Und als Mieterin bin ich dann doch froh, dass ich einfach mal so umziehen kann – wenn dann mal eine passende Wohnung frei wird.

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    1. marcomattheis Post author

      Ja, man ist deutlich flexibler mit der Wohnung. Ich hoffe nur immer, dass die Wochenend- Gärtner, Handwerke und Co. wirklich richtig Spaß an ihren Tätigkeiten haben und das genießen, weil das immer ihr Traum war und sie das nicht als eine weitere Pflicht sehen.

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  4. Daniel

    Einen für mich wichtigen Aspekt hast du nur einmal kurz angeschnitten: Die finanzielle Verpflichtung.
    Wenn ich eine solche Anschaffung tätige, dann wohl kaum ohne mir Geld leihen zu müssen. Egal, ob der Zins grade hoch oder niedrig ist, ich verpflichte mich für eine ziemlich lange Zeit, dass ich in der Lage sein werde, das Geld auch zurückzuzahlen. Aber ich kann doch gar nicht absehen, ob ich dazu auch in der Lage sein werde. Wer gibt mir die Sicherheit, nicht krank zu werden oder anderweitig in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten?
    Dazu kommt für mich die Fremdbestimmtheit. Wenn die liebe Angela möchte, dass Häuser besser gedämmt werden, muss ich dem folge leisten. Also wieder einen Kredit aufnehmen und wieder abbezahlen…

    Ich sehe es wie du. Ich zahle meine Miete und muss mich um den Rest nicht kümmern. Lieber so, als der ganze Stress mit einer Immobilie….

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    1. marcomattheis Post author

      Für die Absicherung der finanziellen Risiken gibt es ja eine ganz eigene Industrie, die dir dann Berufsunfähigkeitsversicherungen und co anbieten. Aus dem einen Kauf resultieren dann wie so häufig noch weitere Folgerichtige und in sich logische Folgekäufe. Daher finde ich fängt Minimalismus am besten immer am Anfang einer solchen Kette an. Also z.B. nicht die Frage, wie ich günstig renovieren kann, sondern ob ich überhaupt ein Haus brauche. Danke für deine richtige Ergänzung.

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  5. Pingback: Und die Reichen lachen uns Minimalisten aus… | marco-mattheis.com

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