Über “Über den Tod und das Leben davor”

Ich habe (wie ich das regelmäßig tue) einige Artikel rund um das Thema Minimalismus gelesen. An dieser Stelle möchte ich die Gedanken aus den Artikeln aufgreifen und sie euch zugleich empfehlen.

Daniel stellte diese Woche wichtige Fragen in seinem Artikel “Über den Tod und das Leben davor”.

Warum gibt es so häufig ein so starke Differenz zwischen dem, wie wir eigentlich leben wollen, und dem, was wir täglich tun? Die Wissenschaft nennt es kognitive Dissonanz.

Ein Beispiel: Wir wissen, dass Rauchen nicht gesund ist und eigentlich wollen wir damit auch aufhören, aber dann tun wir es doch immer wieder. Viele Minimalisten (ich nehme mich da nicht aus) schreiben sich fast die Finger wund, um das Thema der Gewohnheiten zu ergründen.

Warum arbeiten wir ein leben lang in Jobs, die uns nicht zusagen und träumen von einem anderen Leben? In einem Roman (Hörbuch) habe ich vor ein paar Tagen noch gehört: “Warum? ist ein Wort mit einem krummen Satzzeichen, das du nicht grade bekommst. Kümmere dich nicht um das Warum. Steh auf und mach weiter.”

Ich für mich versuche all diese Fragen auch nicht mehr zu beantworten. Es bringt dich nicht weiter, das warum zu ergründen. Vielleicht findest du heraus, dass alles in deinem Leben so unglücklich verläuft, weil dir als Kind etwas widerfahren ist, oder gerade weil dir eine bestimmte Erfahrung fehlt. Eine ganze psychologische Richtung glaubt fest daran, dass der Knoten sich löst, wenn man nur den Grund mit Sicherheit feststellt. Ich kann das mittlerweile nicht mehr glauben.

Mir reicht die Feststellung, dass ich in einigen Punkten anders leben möchte, als ich es tue. Immer wenn ich sprachlich wieder in das Land Eigentlich verreise, versuche ich mir selbst gut zuzuhören.

Eigentlich müsste ich mehr schlafen…, eigentlich wollte ich doch nicht mehr so viel Kaffee trinken…, eigentlich wollte ich gar kein Fleisch mehr essen, usw.

Das (das eigentlich) ist der Grundstein für jegliche Veränderung. Bei der Veränderung kann ich aber nur auf mich selbst bauen. Kein anderer Mensch ist dafür verantwortlich wie ich mich fühle. Klingt hart, hilft aber ein wenig weiter. Selbst wenn sich meine Freundin morgen früh von mir trennt und mich aus der gemeinsamen Wohnung wirft, sollte ich besser nicht anfangen sie für all mein Unglück verantwortlich zu machen. Selbst wenn ein anderer objektiv betrachtet schuld ist an unserem Unglück, die Erkenntnis darüber hilft uns im Alltag nicht weiter. Auch kann mich kein anderer aus dem Land Eigentlich tragen. Ich muss jeden einzelnen Schritt mit meinem schweren Gepäck selbst gehen.

Vielleicht geht diese Suche nach dem Leben, wie man es selbst leben will auch ein Leben lang weiter und nähert sich ihm nur immer weiter an. Was die Kraft betrifft, um Veränderungen im Leben umzusetzen, so glaube ich selbst für mich an den Weg der kleinen Schritte.

Mögen andere die Kraft finden von jetzt auf gleich alles über Bord zu werfen und ihr Leben zu ändern. Bei mir hat das nie funktioniert. Ich brauche kleine Übungseinheiten, kleine Schritte. Für andere mag es zum Beispiel ein Klacks sein, auf eine Wanderung mit Camping zu gehen. Ich aber bereite mich seit einem Jahr darauf vor. In ganz kleinen Schritten. So klein, dass selbst das Schreiben eines blog Beitrags mir zu albern vorkommt.

Das wichtige: Jeder kleine Schritt, der mich meinem Ziel näher bringt, macht mir Freude. Es ist kein Warten auf den großen Augenblick. Es ist viel Vorfreude (daran kann ich nichts falsches sehen) und träumen. Große Ziele zerlege ich am liebsten in kleine Abschnitte.  Und ich glaube mittlerweile ganz fest daran: Entwöhnung und Gewöhnung sind starke Waffen, die man für sich selbst einsetzen kann.

Der Tod spielt auch eine wichtigen Aspekt in Daniels Artikel. Es beschreibt es anders, ich selbst bediene mich da gerne dieses flapsigen Spruches, den ich einmal über das Leben gehört habe. Aus diesem unserem Leben kommt keiner von uns lebend raus. Dieses Spiel namens Leben endet immer tödlich. Wir werden alle sterben; irgendwann. Das ist aber kein Grund in Panik seine VW Aktien zu verkaufen, seinen Job zu kündigen oder wirklich so zu leben, als wüsste man, dass man nur noch einen Tag zu leben hat. Es reicht meiner Meinung nach jeden Tag im Wissen zu leben, dass es eines Tages zu Ende sein wird. Das bringt einen schnell auf die wichtigen Dinge im Leben zurück. Aber wie Daniel es richtig sagt, wir verdrängen den Tod gerne, glauben dass der Alte mit der Sense gerade bei uns noch ganz lange wartet.

Ich habe auch schon so manche Nacht wach gelegen und gedacht: Wie ist das wohl tot zu sein. Der eigene Körper in dieser Kiste, zwei Meter tief. Wie ist das, wenn man nicht mehr ist. Wenn die eigenen Gedanken weg sind. Das kann einem eine scheiß Angst einjagen. Aber meistens wache ich dann am Morgen auf und denke. Genau so ist es vermutlich. Wie in einem traumlosen Schlaf. Du bekommst halt nichts mit vom Tod. In Wahrheit haben wir doch auch keine Angst vor dem Tod, wir fürchten uns vorm Sterben. Wir haben Angst vor dem Verlust unseres Lebens, der Gesundheit, trauern dem nach, was wir einst hatten usw.

Daniels Artikel endet ähnlich wie meiner. Ohne eine Antwort auf die großen Fragen dieses Lebens, den Tod und alles dazwischen. Herrje, ich kann nicht für Daniel sprechen, aber wenn ich die Antworten auf all diese Fragen hätte, ich würde sie euch natürlich verraten.

Jetzt hätte ich noch gerne einen anderen Artikel mit aufgenommen, doch wie so üblich, schreibe ich bisweilen zu viel und die Uhr wandert unweigerlich weiter. Die des Lebens ebenso wie die tägliche vor der Nachtruhe (eigentlich müsste ich mehr schlafen).

Ich hoffe euch gefiel dieser kleine Exkurs über die Gedanken eines anderen (Danke Daniel für deinen Artikel).

Marco Mattheis, 23.April 2016

 

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