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Besitz, Eigentum und Konsum – Warum das eben nicht das gleiche ist.

Gestern eine schrecklich theoretische Podiumsdiskussion über Minimalismus gehört. Dabei wurde zwar auch ganz hohem Niveau diskutiert und Bezug genommen zu allem möglichen Theorien aus Psychologie, Soziologie und Geschichte.

Praktische Beispiele aus unserer Zeit waren aber eher Mangelware. Dabei ist doch gerade unsere Jetzt-Zeit so unglaublich spannend im Bezug zum Minimalismus.

Minimalismus ist ein -Ismus. Damit ist es – ja! – per Definition so etwas wie eine Weltanschauung. Und damit auch immer kritisch zu betrachten wie alle Weltanschauungen.

Es gibt sie eben nicht, die eine Weltformel, die eine Brille durch die alles gut wird. Auch der Minimalismus würde – von allen angewandt – nicht zwangsweise in den Weltfrieden führen. Auch zwei Minimalisten können sich über die Frage, was man wirklich braucht, die Fäuste ins Gesicht hämmern.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn mehr Menschen Minimalisten wären. Das gleiche denken aber auch Dortmund Fans von sich und anderen.

Minimalismus ist aber eben doch mehr als nur ein reiner glaube. Es zeigt praktische Erfolge in meinem Leben und wie ich so höre, auch bei vielen anderen Menschen. Es lohnt sich also doch einmal genauer hinzusehen.

Minimalismus ist die Konzentration auf das Notwendige. Minimalisten versuchen so wenig wie möglich zu “haben” und zu konsumieren.

Und da fangen die Probleme schon an und die ersten Kritiker heben die Finger. Ist nicht alles, was wir tun, Konsum? Wenn ich mich hinsetze und zwei Stunden meditiere, ist das ja auch Konsum. Ich konsumiere eben eine Entspannungstechnik, und wenn ich ins Kino oder Restaurant gehe, konsumiere ich eben auch. Beides Konsum, also auch egal, was von beiden ich tue? Continue reading

Digitaler Irrweg / Papierkram

Bei vielen Minimalisten geht das Reduzieren des Besitzes einher mit einem sehr digitalen Lebenswandel. So mancher zieht sogar als sog. digitaler Nomade durch die Welt. Ich war auch ein paar Jahre auf dem digitalen Pfad unterwegs. Digitalisierung aller Papiere, Kalender sowieso, Bücher, Musik etc. Aber ähnlich wie es Daniel mit seinen Büchern beschreibt, sehe ich heute vieles ein wenig anders. Man sollte es mit der Digitalisierung auch nicht übertreiben. Denn die kommt auch nicht umsonst daher und birgt bei vielen Vorteilen auch Nachteile und Risiken. Je digitaler man lebt, desto abhängiger macht man sich auch. Abhängig von: Continue reading

Das richtige Maß?

In fast jeder Diskussion über Minimalismus, Besitz, Konsum und Ressourcenverbrauch im allgemeinen, kommt man schnell an den Punkt, an dem man nicht mehr klar abgrenzen kann, was das richtige Maß ist. Man lebt ja doch nur einmal, soll man sich da unnötig begrenzen und auf Spaß verzichten? Wieviel Besitztümer kann man überhaupt in welchem Umfang genießen? Continue reading

Minimalismus Superheld?

„Wir gehen das Ganze von der falschen Seite an. … Wir dürfen nicht die Sachen aufschreiben, die wir gut gebrauchen könnten, sondern bloß die, ohne die es auf gar keinen Fall geht.“
„Drei Mann in einem Boot“ von Jerome K. Jerome

Das was jetzt kommt, gehört aufs Treppchen. Unter die Top Drei der wichtigsten Klärungen im Thema Minimalismus. Der blogger Daniel (schlichtheit.com) hat es in einem seiner Einträge auf den Punkt gebracht. Ich bin kein Minimalismus-Superheld. Ich auch nicht. Und bisher bin ich auch noch keinem begegnet. Urkomisch ist, dass nur Wenig-Besitzer sich überhaupt den Fingerzeig auf ihren restlichen Besitz gefallen lassen müssen. Continue reading

Ist das wirklich Minimalismus?

Habe vor ein paar Tagen seit langer Zeit mal wieder eine dieser „Sparfuchs-Dokus“ gesehen. Ich verzichte hier auf einen Link, man kennt sie: Leute, die versuchen maximal viel Geld zu sparen. Teebeutel werden mehrmals benutzt, kostenlose Zeitschriften besorgt, aus vielen kaputten Fahrrädern wird ein funktionierendes gebaut, das Essen aus dem Müll der Supermärkte gefischt (Stichwort Containern) usw. Die Doku stand unter dem Titel Minimalismus, vielleicht hat mich das verstört. Dabei habe ich überhaupt nichts gegen diese Lebensweisen, sind mir zumindest sympathischer als Luxuskaviar und blattgoldüberzogene Gebrauchsgegenstände.

Ich musste ein paar Tage darüber nachdenken, mittlerweile weiß ich, was mich daran gestört hat, maximales Geld einsparen mit Minimalismus gleichzusetzen. Dabei war es eher die Doku selbst als die Menschen darin, die dieses Bild erzeugt haben. Mir ist klar geworden, dass ich Minimalismus wirklich sehr eng begreife, nämlich auf das Reduzieren von Gegenständen, die ich mehr oder minder greifen kann. Auch digitales würde ich hier noch dazu packen. Alles was aus dem Reduzieren von Besitz resultiert, hat vielleicht seinen Ursprung im Minimalismus bzw. ist eng damit verbunden, ist für mich aber nicht das gleiche.  Continue reading