Stille Tage in Witten (2)

Tag 43 von 100 ohne Zucker im Kaffee. Dabei geht es weder um Zucker, noch um Kaffee. Es geht um Gewohnheiten. Aber das Experiment im Kleinen zeigt mir, dass es geht. Ich bin fähig Gewohnheiten langfristig zu ändern. Keinen Zucker in den Kaffee zu tun, erfordert keine Anstrengung mehr. Ich denke überhaupt nicht mehr darüber nach. Lassen sich auch andere Gewohnheiten so ändern? Einfach nur indem ich sie durch bessere Gewohnheiten ersetze und mich auf den Weg mache 100 Tage durchzuhalten?

Monotasking – Multitasking

Es ist ruhiger geworden. Die iphone app, die alle meine Aktivitäten zählt, habe ich längst wieder gelöscht. Sie alleine verbrauchte 82% meiner Akku Energie. Was für ein Wahnsinn. Geholfen hat es dennoch. Das iphone bleibt jetzt viel häufiger in der Tasche. Es ist nicht mehr so wichtig. Die Alarmstufe ist gesenkt worden. Von absolut notwendig auf sehr nützlich.

Monotasking breitet sich aus. Beim Sport konzentriere ich mich auf die Übungen, beim Autofahren fahre ich Auto, beim Spazierengehen gehe ich spazieren. Ich beende auch Tätigkeiten, sobald ich merke, dass ich mich nicht mehr darauf konzentriere oder hole meine Gedanken bewusst zurück. Die Erlebnisse werden intensiver. Alles hält länger. Ein Hörbuch hält länger, ein Text hält länger. Eine Dokumentation schaue ich mir bisweilen über mehrere Tage an. Danach weiß ich sogar noch Einzelheiten daraus.

Wie geht es dir? Gut, Danke, und dir? Auch.

Dinge dauern jetzt länger. Antwort auf eine E-Mail ein paar Tage statt Stunden. Dafür ist es eine echte Antwort und nicht nur ein Reflex. Das Nachdenken über erlebte Ereignisse (E-Mail, Text, Telefonat, Film, Begegnung mit einem Menschen) führt zu einer tieferen Auseinandersetzung und zu anderen Antworten. Zu solchen, die mich selbst weiterbringen.

Marco Mattheis, 21.Oktober 2015

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