Sinus Studie – Zum Glück wollen Jugendliche brave Konsumenten sein

Laut aktueller Sinus Studie wollen heutige Jugendliche nicht mehr rebellieren, sie wollen “sein wie alle”. Das klingt erstmal löblich für Ex-Jugendliche wie mich (Mitte Dreißig). Wir (die über 30Jährigen) haben also noch so richtig rebelliert. Aber ehrlich, das hat doch auch die Generation vor uns gesagt. Sagt nicht jede Generation von sich, dass sie noch richtig rebelliert haben?

Oder vielleicht nimmt die Rebellion ja doch immer weiter ab. Gibt es überhaupt noch etwas gegen das man rebellieren kann? Laut Medienberichten leben wir ja in einer tollen Welt. Atomausstieg ist geschafft, Homo-Ehe ist durch, jeder kann glauben und sagen was er will und so weiter. Außerdem (so die Medienberichte) sind Jugendliche ja ständig öffentlich per twitter, facebook, YouTube Kanal etc. Da kann man sich also gar keine abweichende Meinung erlauben?

Mächtig kurz gedacht glaube ich. Vielleicht verschiebt sich der Widerstand auch nur um ein paar Jahre, schließlich verschiebt sich vieles um ein paar Jahre. Kinder bekommt man nicht mehr mit 20, eher mit 30. Vielleicht kommt der Widerstand ja noch, der gegen die Normalität. Auszuhalten ist sie meiner Meinung nach kaum, diese Normalität. Hier ein paar Vorschläge, gegen die es sich lohnt zu rebellieren.

Sein Leben lang Vollzeit arbeiten, damit man irgendwann ein Auto und ein Haus abbezahlt hat.

Sein Leben auf das Wochenende verschieben, an dem man erschöpft zu Hause auf der Couch liegt nachdem die Wohnung (Haus) aufgeräumt ist.

Ständig erreichbar sein.

Alles auf Raten kaufen.

Ständig der aktuellen Mode nachlaufen, darauf achten, dass man das richtige Outfit trägt.

Aus jedem Essen ein “perfektes Dinner” machen.

Urlaub pauschal, mit Bändchen am Arm.

2000 Fotos machen, jeden Monat.

Ich bin froh meinen persönlichen Weg der Rebellion und des Widerstandes gefunden zu haben (Minimalismus). Ein herrlich subversiver Widerstand gegen die Übertreibungen des Kapitalismus und die umgreifende Konsumfixierung.

Ein Verdacht kommt in mir auf. Ist da vielleicht eine Studie, die den Jugendlichen sagen will: Es ist ok, wenn ihr alle so sein wollt, wie alle sein wollen (zu sein haben).

Eins ist doch offensichtlich: Eine Jugendrebellion nach dem Motto der Konsumbefreiung würde unsere Gesellschaft vermutlich stärker in ihren Grundfesten erschüttern, als jede Rebellion zuvor. Die bisherigen Rebellen konnte man aussitzen, auf diese Rebellen war man nicht täglich angewiesen. Auf braven Konsumentennachwuchs ist unsere überdrehte Konsumgesellschaft aber angewiesen. Lieber Gott des ewigen Wachstums: Bewahre uns alle vor einer Jugend, die aufhört zu konsumieren.

Marco Mattheis, 26.April 2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.