Probemarsch: 27 km, 12 kg Gepäck

Im Sommer möchte ich fünf Tage am Rhein entlang wandern. Nur ich alleine, mein Rucksack und alles, was man so braucht, wenn man alleine fünf Tage unterwegs ist. Damit ich nicht gleich nach den ersten Kilometern abbreche, teste ich seit vielen Wochen nach und nach meine Ausrüstung, angefangen vom Rucksack, dem Gefühl im Regen zu laufen und vieles mehr.

Nach meinem ersten Probelauf von Bochum nach Essen ohne Navigationshilfe ausser den Menschen um mich herum (“Zu Fuß von Essen nach Bochum“), fand nun mein zweiter Probelauf statt. Mit deutlich mehr Ausrüstung als noch beim ersten Mal. Diesmal wollte ich herausfinden, wie viele Kilometer ich überhaupt in der Lage bin an einem Tag zu laufen.

Kilometer 1 am 31.März 2016, 10.00 Uhr:
Start direkt bei mir vor der Haustür. Ziel: Ein See am anderen Ende der Stadt (Kennader Stausee). Diesen möchte ich komplett umrunden und dann zurück kehren. Noch bevor es losgeht, merke ich die ersten Herausforderungen. Mein gewohnter Minimalismus fehlt mir; genauer: Meine Angewohnheit Dinge immer an den gleichen Ort zu legen fehlt mir. Denn kaum ist der Rucksack gepackt, weiß ich schon nicht mehr wo ich die einzelnen Ausrüstungsgegenstände hingetan habe. Habe ich das Besteck schon eingepackt? Und wohin? Da mein Rucksack demnächst für fünf Tage sozusagen meine Wohnung sein wird, die ich auf dem Rücken trage, muss ich mir hier erst eine neue Ordnung zurecht legen. Das kommt ganz oben auf meine Liste. Hier zeigt es sich für mich wieder in besonderem Maße: Ordnung macht mein Leben einfacher.

Dann eine zweite Erkenntnis. Anders als bei meinem kleinen Rucksack, kann ich in diesen nicht mal eben noch etwas hineinwerfen, was ich vergessen habe. Der Rucksack ist gerade fertig gepackt, als mir noch zwei drei Dinge auffallen, die mit hineingehören. Also alle Schnüre wieder auf. Anstrengend. Als mir das zum dritten mal passiert entscheide ich: Alles was ich vergesse einzupacken, hänge ich einfach an den Rucksack dran. Umpacken kann ich auch noch bei der ersten Pause. Ich will jetzt los. Der Wetterbericht hat für diesen Tag ab 14 Uhr 70% Regenwahrscheinlichkeit vorausgesagt. Ich bin vorbereitet auf Dauerregen, freudig erwarten tue ich ihn aber nicht.

Kilometer 5, 11.00 Uhr:
Die Ausrüstung zwickt hier und da ein wenig. Der mitgenommene Kompass erweist sich als Totalausfall. Er zeigt nach Minuten des Wackelns und Ruckelns vermutlich die richtige Himmelsrichtung an, drehe ich mich um, tut sich aber so gut wie nichts. Drehe ich mich zurück, noch immer kaum eine Reaktion. Würde ich diesen Kompass in Zukunft zur Orientierung benutzen, ich würde wohl kaum am Ziel ankommen. 1. Weil er kaum in die richtige Richtung zeigt und 2. weil ich die Hälfte der Zeit auf die Kompassnadel starren würde. Nur gut, dass ich bei meinem ersten langen Lauf im Sommer keinen Kompass brauchen werde.

Kilometer 7, 11.30 Uhr:
Die Bedeutsamkeit von Pflastern kann gar nicht überschätzt werden. Der rechte Fußballen ist wortwörtlich heiß gelaufen. Ein schlichtes Pflaster soll polstern und das Schreckgespenst einer Wundblase hinauszögern. Froh darüber am Morgen in letzter Minute noch eine Packung in den Rucksack geworfen zu haben, nehme ich mir fest vor für die große Tour im Sommer eine gute Auswahl an Pflastern mitzunehmen.

Das Wetter ist stabil, ein wenig Nieselregen erhebt seinen Zeigefinger und mahnt vor dem anstehenden Regen. Ansonsten: Kein Durst, kein Hunger. Guter Dinge marschiere ich weiter.

Kilometer 8,6 11.53 Uhr:
Mein erstes Zwischenziel ist erreicht. Der Kennader Stausee. Ihn will ich heute umrunden und mich dann wieder auf den Rückweg machen.

Kilometer 11,5, 12.40 Uhr:
Die mitgenommene Kappy erweist sich als unpraktisch für mich. Andere mögen sie tragen, mich stört sich gerade nur. Sie ist nicht zu verstauen und behindert das Aufsetzen einer Kapuze. Bei einem Regen würde mir so nur meine Kapuze mit Wasser volllaufen. Stattdessen nehme ich mir vor für die Tour im Sommer ein schlichtes Dreieckstuch mit einzupacken. Das kann mir vielseitiger nützen, als nur eine Kappy. Mit solchen Optimierungsgedanken stapfe ich weiter, den See stets zu meiner Rechten. Den Füßen geht es noch gut. Sie brennen, aber schmerzen nicht.

14.42 Uhr:
Pause in einem Restaurant am See. Sitzen, Essen und Trinken. So schlichte Dinge werden plötzlich viel intensiver. Genussvoller.

Das Wetter ist weiter stabil. Mit gefülltem Magen und etwas ausgeruhten Füßen geht es weiter in den Kilometer 21. Es ist jetzt 15.13 Uhr. Ich bin seit über 5 Stunden unterwegs. Meine Gedanken schweifen jetzt um die richtigen Pausen, Proviant für 5 Tage und Fußsalbe.

Kilometer 27, 16:30 Uhr
Der Probemarsch ist beendet. Nach 27 km, 6 1/2 Stunden mit 12 kg Gepäck. Vorläufiges Fazit: 30 km pro Tag sind zu viel. Schaffbar mit mehr Pausen und etwas mehr Training sind 25 km am Tag. Der nächste Tag war schwierig. Das normale Laufen war schmerzhaft. Muskeln und Sehnen waren dann doch mehr belastet als ich während des Marsches gespürt habe.

Der Probemarsch war ein voller Erfolg. Ich habe meine Belastungsgrenze kennen gelernt und viele neue Denkanstöße bekommen. Noch steht nicht jedes Detail für meine erste kleine Expedition im Sommer. Vieles reift noch in mir und bleibt vorerst noch unausgesprochen, weil undurchdacht. Ein wenig Ausrüstung fehlt auch noch. Da es aber am Ende nicht mehr als vermutlich 15 kg auf meinem Rücken sein werden, bleibe ich meinem Lebensstil des Minimalismus gefühlt weiterhin treu. Viele der Dinge helfen mir zudem im Alltag, weil sie ganz einfach sehr praktisch sind. Aber auch im Bereich Outdoor und Camping gibt es viel überflüssiges Zeug zu kaufen. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.

Nachtrag: Ich verzichte hier übrigens bewusst auf eine Packliste, da ich mir nicht vorstellen kann, dass es wirklich jemanden interessiert, was genau ich mitnehme, zudem möchte ich nicht für einzelne Marken Werbung machen. Sollte aber dennoch Interesse daran bestehen, welche Ausrüstung ich für meine geplante “Expedition” habe, dann schreibt das doch kurz in die Kommentare. Für diesen Fall würde ich dann einen speziellen Artikel dazu schreiben.

Marco Mattheis am 3.April 2016

 

 

 

 

 

 

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