Mit welcher Technik wollen wir uns in Zukunft umgeben?

Jeden Tag nach der Arbeit hole ich kurz vor 13 Uhr meine Tochter vom Kindergarten ab und während meine Tochter schläft, habe ich die Zeit und Ruhe ungestört nachzudenken. Der Rückweg mit dem Kinderwagen dauert etwas 20 Minuten und führt über einen ruhigen Fahrrad- und Wanderweg. Entlang des Weges liegen schöne Einfamilienhäuser mit Gärten.

An einem dieser Gärten musste ich heute abrupt stehen bleiben. Meine Aufmerksamkeit wurde gefesselt von einem dieser Rasenmäher-Roboter. Leise und scheinbar völlig autonom bewegte er sich über die Rasenfläche.

Die Technik ist erstaunlich, gerade weil sie so autonom daherkommt. So ein kleiner Roboter ist eben was völlig anderes als eine Spül- oder Waschmaschine. Neben dem kleinen Rasen liegt eine Terrasse mit allem was dazu gehört. Ein Tisch, ein paar Stühle, ein bisschen Kram vom Vorabend.

Ich habe mir kurz vorgestellt, wo diese Entwicklung hingehen mag und wie das Bild wohl ausgesehen hätte, wenn ich zehn oder fünfzehn Jahre in die Zukunft geblickt hätte. Vielleicht ungefähr so:

Die Tür geht auf und ein Haushaltsroboter betritt den Rasen. Er räumt das Geschirr vom Vorabend ab und bringt es ins Haus. Dann Blick ins Innere, eine stilvoll eingerichtete Wohnung. Der kleine Bruder vom Rasenmäher saugt gerade durch die Wohnung, kleine Roboter wischen unermüdlich die Fenster und der Haushaltsroboter hat einen vollen Wäschekorb unter dem Arm.

Wenn die Besitzer am Abend nach Hause kommen, haben sie nichts mehr zu erledigen. Vermutlich steht auch schon das Essen auf dem Tisch. Am Morgen war der Kühlschrank noch leer, aber ein paar Drohnen sind am Mittag im Garten gelandet und haben dem Haushaltsroboter die Einkäufe für Küche gebracht. In der Küche hängen zwei lange Arme, ähnlich wie heute schon in der industriellen Fertigung von Autos. Die Küche macht alles alleine, holt Töpfe heraus, füllt Wasser ein. Sie kocht.

Aber hier dreht sich das Bild und wird zu einem sozialen Alptraum. Die Kinder kommen von der Schule. Sie haben früher frei als ihre Eltern. Sie begrüßen den Haushaltsroboter und erzählen von ihrem Tag in der Schule. Der Roboter nimmt alles auf, die Eltern können sich sofort oder später eine kurze Zusammenfassung geben lasse. Wenn die Eltern nach Hause kommen, haben die Kinder schon gegessen und sind in ihren Zimmern verschwunden. Das Paar sitzt am Küchentisch und genießt das perfekte Essen. Nichts ist angebrannt, die Hausarbeit schon erledigt. Ein perfekt organisierter Haushalt.

Aber worüber sprechen die beiden? Was ist das für ein Leben, in dem alles nach Plan läuft, alles perfekt ist, höchstens einmal die Technik kleine Pannen produziert, die sicherlich nach dem nächsten Update nicht mehr auftreten werden.

Sind es nicht gerade die Überraschungen und die unerwarteten Dinge, die aus unserem Leben eine Geschichte machen? Wenn alles funktioniert, ist das keine Geschichte mehr, es ist ein Plan. Aber das ist eben der Unterschied. Erst die unerwarteten Dinge im Leben, machen unser Leben so interessant.

Kluge und smarte Technik nimmt uns heute schon unliebsame Arbeit ab. Zumindest reden wir uns selbst das ein und bekommen es von den Verkäufern der Lösungen ständig gesagt. Die neue apple watch zeigt mir die Wanderroute an und warnt mich, wenn ich falsch abbiege.

Das ist so passend, denn vor kurzem war ich wandern. Und ich bin falsch abgebogen. Ich war verirrt und dann brach auch noch ein Regen über mich herein. Verloren und im strömenden Regen, war ich ganz auf mich alleine gestellt. Das war ein unglaublich psychologischer Moment. Ein echter emotionaler Tiefpunkt, nahe der Verzweiflung. Und dann habe ich ihn wieder gefunden, den richtigen Weg und ein paar Minuten später brach die Sonne durch die Wolken und der Regen hörte auf. Ein emotionales Erlebnis, eine Euphorie, ebenso unbeschreiblich wie unvergesslich.

Die Pointe ist klar. Mit einer apple watch wäre mir das nicht passiert. Zurück zum Rasenmäher-Roboter. Der Besitzer saß um 13 Uhr wahrscheinlich noch auf der Arbeit, um das Geld zu verdienen, das der Roboter kostet. Vielleicht gefällt ihm die Arbeit so gut, dass ihm das nichts ausmacht. Wenn er aber zur Mehrheit der Deutschen gehört, wäre er in diesem Moment aber vermutlich lieber zu Hause gewesen und hätte den Rasen selber gemäht, anstatt sich von seinem Chef die neusten Zahlen um die Ohren hauen zu lassen.

Vielleicht hätte er beim Mähen des Rasen einen netten Plausch mit dem Nachbarn gehabt, vielleicht mit der Nachbarin geflirtet oder wäre sich mit dem Mäher über den Fuß gefahren. Wir wissen es nicht und werden es niemals erfahren.

Das soll auch keine eindimensionale Technikkritik sein. Ich möchte auch nicht mehr auf meine Waschmaschine verzichten. Aber ich möchte auch keinen Roboter, der mit meiner Tocher spielt oder der ihr zuhört, wenn sie Probleme hat, während ich das Geld verdiene um die Leasingrate aufbringen zu können.

Daher ist finde ich es wichtig viele Gedanken zu machen, welche Art von Technik, Digitalisierung und Automatisierung wir als Gesellschaft haben wollen und welche jeder einzelne von uns haben möchte und aus welchen Gründen.

Diese Diskussion fehlt mir an vielen Stellen aber leider, sowohl im privaten als auch im Öffentlichen. Wieviel und was wollen wir uns von Maschinen abnehmen lassen? Gibt es konkrete Beispiele aus eurem Leben, an die ihr bei Lesen gedacht habt?

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