Minimalismus aus anderer Sicht: Wie viel wiegt unser Besitz?

In meinem Artikel “Minimalist werden an einem Tag” ließ ich mich zu einer steilen Vermutung hinreißen: Mit wieviel nötigem Gepäck ich durch mein Leben schreite. Ich schätze es sind keine 100 kg mehr.

Das war eine tolle Fehleinschätzung, vermutlich dadurch inspiriert, dass ich so viel Zeug in den Umzugskarton bekommen habe, der angeblich nur 30 kg aushält. Als ich den Karton aber aus Spaß einmal auf die Waage stellte, musste ich doch etwas schlucken. Nämlich die Wahrheit, dass der Karton 163 kg wiegt.

Vielleicht sind es also eher 400 oder 500 kg, die ich an persönlichem Besitz noch durch mein Leben schleppe. Oder eben schleppen müsste, wollte ich einmal umziehen. Mein Kleiderschrank als Möbelstück einmal nicht mitgezählt. Ja, auch den würde ich am liebsten abschaffen, aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag und ein Projekt für ein anderes Jahr. Dafür sind in diesem Schrank noch zu viele Klamotten und ich mag es meine Outdoor Ausrüstung (jetzt zu 99% vollständig) oben drauf zu verstauen.

Der Grund, warum ich so sehr auf das Gewicht meines persönlichen Besitzes schaue ist folgender: Wenn man überhaupt für sich selbst messbar machen möchte, wie viel Besitz man hat oder braucht, dann macht es meiner Meinung nach Sinn, auf das Gesamtgewicht zu schauen. Die Anzahl der Gegenstände hilft mir nicht weiter. In einem einzigen Beutel kann ich hunderte von Gegenständen transportieren, dagegen kann ein einziger Gegenstand (z.B. ein Möbelstück) mir einen flotten Umzug zur Nichte machen.

Mein Weg geht also dahin, das Gewicht meines Besitzes zu reduzieren. Das heisst natürlich nicht, dass ich für mich anfange eine riesige digitale Menge an Medien zu sammeln. Das gerade nicht, entdecke ich doch zur Zeit wie viel entspannter mein Leben ohne digitale Medien ist. Mein smartphone bleibt immer häufiger und immer länger im Rucksack und das tut gut.

Wie haltet ihr es mit dem Gewicht eurer Gegenstände? Achtet ihr darauf? Würde es euch interessieren, wieviel all eurer Besitz wiegt? 

 

 

 

14 thoughts on “Minimalismus aus anderer Sicht: Wie viel wiegt unser Besitz?

  1. Jules

    Wie kommst du den auf 163kg in EINEM Umzugskarton? Hast du darin ein umfangreiches Hantelset verstaut? Ich könnte so ein Gewicht außerdem gar nicht heben 🙂
    Ich finde den Ansatz mit dem Gesamtgewicht des Besitzes interessant. Allerdings ist denke ich, dass es auch eine Frage ist unter welcher Voraussetzung man seinem Besitz gerade betrachtet. Bei einen Umzug spielt das Gewicht evtl. eine größere Rolle. Für die Übersichtlichkeit im Allgemeinen im Sinne eines Minimalismus ist es möglicherweise weniger entscheidend, so können z.B. zehn einzelne Teile a 1kg können mehr Komplexität erzeugen als ein Gegenstand a 10kg. Zudem spielt für mich auch die Qualität des Gegenstands eine Rolle. Ein geschreinerter Massivholzgegenstand minimalistischer als ein industriell gefertigtes Produkt aus einem synthetischen Materialmix.
    P.S. Ein gutes Leben ohne Kleiderschrank ist durchaus möglich. Nach meinem letzten Umzug hatte ich mir anstatt eines Kleiderschranks übergangsweise eine Kleiderstange gekauft – so war zumindest die ursprüngliche Idee. Mittlerweile habe ich festgestellt, dass ich einen Kleiderschrank nicht vermisse. BG

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    1. marcomattheis Post author

      Ich muss den Karton auch unbedingt nochmal wiegen. Habe heute nochmal auf den Zettel geschaut, auf dem ich das Gewicht notiert hatte, da ich es im Nachhinein selbst kaum glauben konnte. Bisher war unsere Waage zuverlässig. In dem Karton sind einige Bücher und schwere Gummistiefel und Schuhe und Kleidung. Aber du hast Recht, 160 kg ist super schwer zu heben, ich muss das wirklich nochmal kontrollieren.
      Die Kleiderstand ist eine super Idee, vielleicht komme ich da auch noch hin.

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  2. Pingback: Minimalismus trifft Schreibtisch -

  3. Karin

    Ich finde die gedankliche Verbindung von Gewicht und Mobilität sehr spannend, wobei ich immer noch keine Lösung für mich gefunden habe, was Bücher und Ordner anbelangt – ich brauche sie einfach beruflich.
    Interessant ist aber immer der Gewichtscheck auf Urlaubsreisen – und wie sehr mensch dann doch alles reduzieren kann – vom geteilten Seifestück über den abgesägten Kochlöffelstil …
    Liebe Grüße

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    1. marcomattheis Post author

      Das ist wahr. Wir kaufen uns große Häuser, aber im Urlaub schwärmen wir über das Hotelzimmer, die Ferienwohnung oder träumen gar von einer Tour mit einem Wohnmobil.

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  4. Tanja Heller

    Dass man sich an einem Ort bindet (hast du irgendwo geschrieben und das fand ich hilfreich), finde ich ja belastender als die Frage, ob ich noch 15 Vorratsgläser mehr habe seit eben und plastikfreier lebe (seit eben, aber extra nur die wo 500 g reinpassen weil mir sonst zu schwer). Die Sachen sind eh schnell eingepackt bei einem Umzug. Der eigentliche Akt ist ja die Wohnungssuche und die Frage, wo ich leben will und nicht die 2 Stunden Umzug. Länger dauerte es bei mir nie mit den wenigen Dingen. Es geht viel mehr um die Bindung, die mich persönlich unfrei macht. Andere binden sich gerne und fühlen sich mit 4 Kindern eben nicht unfrei oder sind mit ihnen sogar auf Weltreise. Minimalismus fängt also im Kopf an und wie viel man besitzt ist egal, so lange man sich nicht dadurch belastet fühlt. Was bei mir aber der Fall ist. Ein Schlagzeug und 12 E-Gitarren würde ich aber gerne besitzen. Würde mich nicht belasten. Ein Buch schon weil es mir nicht wert wäre, es mitzuschleppen. Als ich das Sofa auseinandergenommen habe, fand ich noch einen Router. Bis ich den kostenfrei losbekam brauchte es 4 Kontakte mit der Telekom. Was für eine Aktion. Also ich kenne das auch mit dem Irgendwasnochfinden.

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  5. Tanja Heller

    Nach Pias Artikel frag ich mal nach, Marco: Wobei dir ja noch der Besitz der Tochter gehört. Das sind ja auch noch deine Sachen. Oder nur zur Hälfte? Vor der Trennung nicht möglich in einer Wohnung, oder? Und sonst benutzt du nur mit deiner Freundin alles mit? Ist das dann ihr Bett, ihr Sofa? Ihre Küche? Hat nur sie das finanziert? Trägt sie das alleine zum Sperrmüll? Wenn ja, hast du nicht das Bedürfnis, ein eigenes Sofa oder Bett zu besitzen, dich schön einzurichten? Es gibt so Männer, die kommen und gehen mit einer Tasche und denen fehlt nix. Das wäre dann wie Dave Bruno. Zählt seine 100 persönlichen Sachen und der Rest benutzt er mit der Familie mit.

    Liebe Grüße – Tanja

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  6. Peter

    Ich habe mir mal den Spaß gemacht und alle meine materiellen Besitztümer gewogen. Nur so aus Neugierde. Das Ergebnis: Es sind 425 kg, inklusive Möbel und Fahrräder. Auto habe ich nicht, insofern kann es mir die Bilanz nicht verhageln 😉

    Gruß, Peter

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    1. marcomattheis Post author

      Das ist aber spannend: Wie hast du denn deine Möbel gewogen? Und dabei kommst du nur auf 425 kg? Die Liste würde mich aber wirklich mal sehr interessieren! Super Aktion. Hat es dir neue Erkenntnisse gebracht?

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  7. Peter

    Hallo Marco,

    ich habe 3 (digitale) Waagen, eine Briefwaage bis 150 Gramm, eine Küchenwaage bis 2kg und eine Anglerwaage bis 50 Kilo. Die Anglerwaage hat einen dicken Haken, da kann man auch große Regale dranhängen. Da mein schwerstes Regal 20 Kilo wiegt (Schränke habe ich nicht), konnte ich alles ohne große Mühe wiegen.
    Mit wiegen begonnen habe ich, nachdem ich von ungefähr 1,5 Tonnen auf ca. 900 Kilo abgespeckt hatte, wie gesagt, einfach aus Neugier, um mal zu sehen, was meine ganzen Besitztümer eigentlich so wiegen. Diese 900 Kilo haben ganz grob auch meinen Erwartungen entsprochen. Das war vor ca. 2 Jahren. Seither war mir die Liste eine unbestechliche Hilfe und super Motivation bei der Wohnungsdiät. Die 425 Kilo scheinen jetzt so in etwa das Optimum zu sein. Mir fehlt nichts und ich habe erfreulich viel Platz und es ist alles sehr aufräum-freundlich.
    Die Liste werde ich Dir mal per mail schicken, vielleicht kann sie dich ja auch ein wenig motivieren 😉

    Gruß, Peter

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