Mein Weg aus dem Multitasking

Heute endet der Tag 20 ohne extra Zucker. Eine kleine Gewohnheitsänderung im Vergleich zu meiner Absicht das Multitasking in meinem Leben auf das Nötigste zu reduzieren. In den letzten Tagen habe ich mich intensiv mit dem Thema Multitasking und Gewohnheiten auseinandergesetzt, viel gelesen, viel gehört dazu.

Babyschritte

Gewohnheiten lassen sich nach aktuellem Stand der Forschung am besten durch kleine Schritte einprägen. Ab Morgen kein Multitasking! Ab Morgen lasse ich mich im Büro nicht mehr ablenken! Ab Morgen ändere ich mein Leben komplett. Erfolg unwahrscheinlich!

Ganz oder gar nicht?

Es gibt Menschen, die haben von jetzt auf gleich mit dem Rauchen aufgehört. Jeder kennt so jemanden in seinem Bekanntenkreis. Diese Menschen bilden wohl die Ausnahme und ich finde es müßig für sich herauszufinden, wie das geht. Viel erfolgreicher ist man offenbar, wenn man sein Gehirn nicht überlisten will, sondern seine natürlichen Eigenschaften für sich ausnutzt. Das Gehirn versteht Gewohnheiten offenbar wie Trampelpfade im Dschungel oder eine ausgetretene Spur im Schnee. Je häufiger der Weg (die Gewohnheit) gegangen wird, desto fester bleibt sie und das Verhalten verselbstständigt sich, wird eben zu einer Gewohnheit.

Rückfall in alte Gewohnheiten

Unser Gehirn fällt offenbar leicht in ungewollte Gewohnheiten zurück, wenn es müde ist. Nach einem langen Tag mit vielen Entscheidungen ist das Gehirn nicht mehr so leicht in der Lage, sich gegen eine Gewohnheit zu entscheiden. Man macht dann fast automatisch das, was man immer macht. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Gute Gewohnheiten einmal gefestigt, können mir durch anstrengende Tage helfen. Bei Erschöpfung schaltet das Hirn dann auf Autopilot und bringt einen sicher und gut durch den Tag.

Leicht gesagt…

Eine Gewohnheit ersatzlos aufgeben ist wohl nicht so leicht. Besser man ersetzt sie durch eine andere bessere. Bei mir also Milchkaffee statt Zucker in den Kaffee.

Und jetzt? Wie hilft mir das angelesene Wissen meine ungewollte Gewohnheit das Multitasking zu reduzieren?

Sobald ich meine hundert Tage ohne Zucker erreicht habe und die Spur in meinem Hirn dann hoffentlich tief genug ist, will ich es mit dem Multitasking (privat und beruflich) aufnehmen. Den will ich aber zuvor in viele kleine Gewohnheiten aufbrechen, um es mir leichter zu machen.

Welches Multitasking stört mich? Welches nicht?

Die Wäsche aufhängen mit einem podcast im Hintergrund, einen Kaffee (Milchkaffee) trinken und mich dabei unterhalten, das stört mich nicht, diese Gewohnheiten können gerne bleiben.

Hingegen eine Mahlzeit plus Fernseher (kommt nur sehr selten vor), Telefonieren und dabei die Wohnung aufräumen oder gar das smartphone in der Hand und irgendwelche Belanglosigkeiten damit machen. Das sind Gewohnheiten, die ich abstellen will. Oder nach jetzigem Wissen durch andere ersetzen will.

Nicht ohne mein iphone

Auch wenn ich es nicht wahrhaben will. Das smartphone ist eine echte Multitasking-Falle für mich. Manchmal blicke ich drauf und weiß noch nicht einmal, was ich als nächstes damit machen will. Es ist deutlich weniger geworden als noch vor einem Jahr, gefühlt aber noch immer zu viel. Bis vor kurzem ist es mir sogar schwer gefallen das iphone in einem anderen Raum liegen zu lassen. Klingt verrückt? Mittlerweile fürchte ich auch. Ich will auch gar keine Diskussion darüber losbrechen, wie viel smartphone Nutzung noch normal ist. Ich weiß nur: Ich will nicht mehr der Kerl sein, der ständig sein smartphone in direkter Nähe hat. Ich will nicht mehr der Kerl sein, der mit einem Freund in einem Cafe sitzt und das smartphone auf dem Tisch vor sich liegen hat, dessen Blick bei jeder (!) Nachricht und Mitteilung vom Gesprächspartner abschweift.

Ich will an dieser Stelle klar unterstreichen, dass dies hier keine allgemeine smartphone Kritik ist. Ich bin keinem böse, der mitten in einem Gespräch mit mir auf sein smartphone blickt, weil gerade etwas auf twitter geschrieben wurde. Ich will bei dieser Sache ganz bei mir selbst bleiben ohne dem Reflex zu erliegen mich mit anderen zu vergleichen oder gar zu glauben, ich habe eine höhere Bewusstseinseben erreicht, nur weil ich mein iphone jetzt öfter in der Hosentasche lasse. Nur mich selbst beobachten will ich in den nächsten Wochen. Zu welchen Gelegenheiten juckt es mich in den Fingern. Auf welche Reize reagiere ich mit einem kurzen Blick auf das iphone? Ich nehme mir noch gar nicht vor, etwas an meinem Verhalten zu ändern, will mich selbst erst einmal beobachten, mich und mein smartphone.

Marco Mattheis, 28.September 2015

3 thoughts on “Mein Weg aus dem Multitasking

  1. Daniel S.

    Was das Smartphone (und auch das Tablet) angeht, so habe ich mir vor ein paar Wochen eine App installiert, die misst, wie lange ich welche App benutze. Es handelt sich um die App „Quality Time“.
    Ich werde über meine Erfahrungen noch in einem kommenden Blogpost näher drauf eingehen, aber ich komme so auf ca. 1,5 – 2 Stunden Nutzung am Tag.
    Natürlich nur nebenbei. Und die App misst auch nur die Zeit, in der der Bildschirm an war. Also Musik, Podcasts und Hörbücher werden nicht wirklich gezählt, was ich auch vollkommen ok finde.
    Vielleicht gibt es eine solche App auch für iOS. Dann können wir ja unsere Erfahrungen vergleichen.
    Wobei ich, zumindest glaube ich das, gestern eine wunderbare und ziemlich simple Möglichkeit gefunden habe, die Anzahl der manuellen Bildschirmeinschaltungen, die die App ebenfalls misst, drastisch zu reduzieren. Aber auch darüber kann ich erst in ein paar Tagen was sagen…

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  2. Ulli vT

    Ich habe mir irgendwann angewöhnt das smartfon immer neben mich zu legen oder mir in die Hosentasche zu stecken. Warum eigentlich? Ist das nötig, wenn ich keine wichtigen Anrufe erwarte? (Kommt bei mir fast nie vor).
    Parallel ist im PC-Browser permanent FB, Gmail und WA geöffnet.
    Ich stelle für mich grad fest, dass ich diese Gewohnheiten sehr gut abstellen kann (könnet oder werde?).
    Denn was passiert, wenn ich die Nachrichten nur 2-3 mal am Tag bewusst checke?
    Vermutlich nix.
    Danke für die Anregung. Ob ich die Disziplin haben werde – mal sehen.

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