Mein neuer Freund, der Rucksack

Ich schaffe zweihundert Meter bis Beate und Reiner mir die erste schöne Begegnung meiner ersten Wanderung schenken. Und einen Satz. Er kommt von Beate. Ich sähe aber glücklich aus mit meinem Rucksack. Die beiden Sitzen auf einer Bank am Rheinischen Esel, der Wanderweg, der die erste Etappe meiner zweistündigen Wanderung an diesem Tag werden soll.

Sie wissen nicht, dass ich erst vor zwei Stunden das Preisschild von meinem Rucksack abgerissen habe. Der Geruch von Verkaufshalle und Kunststoff reicht offenbar nicht bis zu ihnen herüber. Vielleicht wirke ich auch wie der Archetyp des Backbackers, der Gedanke gefällt mir. …

Dankend nehme ich die Unterhaltung auf, bin ich doch auch wegen genau solchen Begegnungen aus dem Haus gegangen. Ich kläre auf, will kein Blender sein, erzähle von dem Rucksackkauf, der guten Beratung. Reiner ist ein anderer Typ Konsument, er lässt sich nicht gerne beraten. Schwer fällt es einem Verkäufer gegenüber Vertrauen aufzubauen. Das kenne ich von mir, von früher. Als ich noch viel kaufte und die sportliche Herausforderung – anders kann ich mir die Wochen des Suchens uns Vergleichens von Produkten nicht erklären – gerne annahm.  Heute lasse ich mich gerne beraten, kenne mich durch Erfahrung (sollte es nicht besser erleben heissen?) selbst gut genug aus, oder lehne das Produkt kategorisch ab.

So wie ich früher, liest Reiner lieber einen Stapel Berichte und hält Ausschau nach dem Testsieger. Einer davon steht vor ihm, sein Rucksack. Kein so großes Modell wie auf meinen Hüften ruht, eher etwas für den täglichen Gebrauch. Dafür eben Testsieger. Vom beratungsscheuen Reiner bekomme ich dann noch ein paar gute Tipps für den Kauf einer Regenjacke. Da hat er sich ausführlich informiert. Mein Modell im Fach für schnellen Zugriff habe ich geschenkt bekommen. Ich hoffe der vorige Besitzer hat sich so viele Gedanken gemacht wie Reiner oder sich gut beraten lassen. Noch mehr aber hoffe ich auf trockenes Wetter. Ein Wunsch, der wohl weltweit alle Rucksackträger vereint.

2 thoughts on “Mein neuer Freund, der Rucksack

  1. minimalkonsum

    Solche stapelweisen Testmagazin-Recherchen kenne ich zur Genüge von meinem Vater.
    Das “gute” an der Sache war manchmal, dass er sich das ursprünglich Gewollte gar nicht mehr kaufte.

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