Im Alter

Gespräch zweier betagter Damen im Einkaufsladen. Aus dem mitgehörten Gesprächsfetzen wurde soviel klar. Die eine sah sich vor kurzem gezwungen aus ihrem Haus in eine kleine Seniorenwohnung oder gar ein Altenheim umzuziehen, die andere hatte diesen “Leidensweg” schon hinter sich. “Eigentlich fühlen wir uns jetzt auch ganz wohl”.

Die meisten Menschen müssen sich im Alter verkleinern. Aus eigenem Umfeld habe ich bereits erlebt, dass so mancher Mensch diesen Weg der Verkleinerung erst geht, wenn es vollkommen unhaltbar geworden ist, weiterhin alleine in einem großen Haus mit steilen Treppen und veralteter Technik zu leben. Das Sprichwort mag stimmen: Alte Bäume verpflanzt man nicht.

Ich habe diesen Satz schon ein paar Mal gehört. Er macht mich ein wenig wütend. Ich bin kein Baum, wollte nie einer sein, bin ein Mensch, möchte beweglich sein mit Körper und Geist.

Ich kann hier nur für mich sprechen. Ich respektiere ich die Entscheidung der älteren Generation so lange wie möglich im eigenen Haus zu bleiben. Dort wo man schon als Kind gelebt hat, seine eigenen Kinder groß aufwuchsen und man selbst allmählich ergraute.

Ich habe mich schon vor gut 10 Jahren Zeit entschieden kein Baum zu sein. Ich möchte nicht am Verlust von großen Möbeln leiden, sollte ich eines Tages nicht mehr in der Lage sein ein halbes Haus zu putzen. Wenn ich darüber nachdenke wie es wohl für mich sein wird, alt zu sein, habe ich andere Sorgen.

Werde ich Zugang zu einem guten Gesundheitssystem haben? Werde ich Freunde haben? Werde ich es verkraften als erster zu sterben? Werde ich weiterhin Gedanken haben, die mich inspirieren? Werde ich Kontakt zu meinem Kind (meinen Kindern?) haben? Wird es mir weiterhin gelingen mit wenigen Dingen auszukommen und glücklich zu sein? Werde ich in einem gewissen Maß weiterhin Anteil nehmen am täglichen Leben?

Jeder kennt auch die anderen Alten, die Umtriebigen. Wir haben ein paar davon im nahen Umfeld. Hier ein Kaffekränzchen, da eine Tanzgruppe, Wandergruppe, Kaffeefahrt und Bootstour. Urlaub in Hawai und China. Wow!

Klar, unser Alter wird anders aussehen als das der heute Alten. Aber so ähnlich soll es sein. Eine kleine Wohnung, um die ich mich nicht viel kümmern muss und viele Freunde, viel Unterwegs und weiterhin viel von der Welt sehen und staunen, staunen, staunen. Über all das was noch vor mir liegt.

Marco Mattheis, 12.September 2015

Was habt ihr für Bilder im Kopf, wenn ihr an euer Leben im Alter denkt?

6 thoughts on “Im Alter

  1. in100tagen

    Schöner Beitrag! Ich bin hin und her gerissen. Hänge an meinem Haus bei dem ich jede Fliese und jeden Lichtschalter selbst ausgesucht habe, in dem meine Kinder aufgewachsen sind, wo ich tun und lassen kann was ich will. Pinke Wände, Wildkräuterwiese statt korrektem Rasen? Kein Problem! Aber ein eigenes Haus verschlingt so viele Ressourcen (Zeit und Geld), die mir dann für Reisen fehlen und mich manchmal auch gedanklich unfrei machen. Ich bin noch nicht so alt, dass ich zur Entscheidung gezwungen wäre, aber die Kinder ziehen aus und beginnen zu studieren. Ich will unabhängig sein für die nächsten Jahrzehnte!? Geht das mit Haus? Geht es überhaupt? Oder ist man nicht immer von irgendetwas abhängig? Meine Bilder für’s Alter: selbstbestimmt, minimalistisch, vielseitig, inspiriert, verbunden mit denen, die mir wichtig sind.

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  2. ganzichselbst

    Ich wünsche mir mein Alter auch so wie du. In ein kleineres WG-Zimmer umgezogen, das bin ich gerade. In vielen Jahrzehnten (ich bin jetzt fast 39) werde ich vermutlich auch die 3 Stockwerke hier hoch nicht mehr steigen können/wollen. Dann hoffe ich, trotzdem immer noch in einer WG zu wohnen, eben ebenerdig. Kinder habe ich keine, aber ich hoffe, das Leben meiner Schwester, Nichten und dann deren Kinder mitzuerleben. Und wie meine alten rüstigen Tanten und Großtanten auch immer noch mit einer alten Freundin zu reisen (die Tante war auch in China!), oder die Winter nach Weihnachten gleich in Goa zu verbringen 🙂 Schatz sagt, er kommt mit 😀

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    1. Marco Mattheis

      Das Reisen ist auch mein nächster großer Schritt. Bin darin bisher nicht so gut. Habe mal für ein wochenende (1 übernachtung) einen ganzen koffer gepackt. Minimalismus als therapieform trifft es bei mir.

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  3. Ulli vT

    Ich sehe an meinen Eltern (meine Mutter driftet immer weiter in die Demenz), wie blöd es ist, wenn man sich an Sachen (Haus, Wohnung, Möbel) und an Konventionen bindet. mziehen in altengerechte Wohnung ist schwierig, fremde Menschen (Haushaltshilfen) in der Wohnung geht gar nicht.
    Ich arbeite dran, dass für mich ‘Dinge’ keinen großen Stellenwert mehr haben.
    Vor allem: Ich versuche das was Spaß macht nicht auf später zu verschieben.
    Ich lebe jetzt. Wenn ich reisen wollte, würde ich es jetzt tun. Wenn du heute sagts: Sobald ich meine Rente durch hab reise ich z.B. nach Asien, wer sagt dir a) dass du deine Rente (gesund) erlebst und b) wer sagt dir, dass dich eine Reise nach Asien im Rentenalter noch interessiert? Mach es heute.
    Vielleicht kann man für sich selbst früh genug damit beginnen Ideen zusammeln, wie man das Alter finanziert, oder was man tu kann, falls man ernsthaft erkrankt. Da hab ich keinen Plan. Bin jetzt Mitte 50. Ich bezweifle, dass ich mein Leben jenseits der 80 finanzieren kann.
    Wie stell ich mir mein Alter vor? Mit mir selbst in Harmonie und Einklang dann müsste sich der Rest ergeben. Noch ein langer Weg… 😉

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    1. Marco Mattheis

      Im Alter mit sich selbst in Einklang ist ein guter Gedanke. Daran lässt sich glaube ich ein Leben lang üben. Du hast Recht, wenn es sich organisieren lässt, sollte man seine Wünsche nicht lange aufschieben, gerade auch weil man sein Interesse daran verlieren kann. Ich glaube man muss den guten Mittelweg gehen zwischen “heute leben” und nicht so leben als gäbe es kein Morgen.

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