Ich denke immer positiv – Meistens

Nicht immer, aber immer öfter

Wenn die Werbung eines kann, dann Dinge auf den Punkt bringen. Leider benutzt sie diese grandiose Fähigkeit um Waschmittel, Zucker und wie in obigen Beispiel Bier zu verkaufen.

Was hat das alles mit Minimalismus zu tun? Was hat das mit positiven Denken zu tun?

Minimalismus kann zu einem gefährlichen Menschenbild führen, wie übrigens die meisten Weltanschauungen. Als Minimalist, Vegetarier, Veganer, Liberaler, Öko-Aktivist (die Liste könnte fast unendlich weitergeführt werden) kommt man schnell in folgende Falle:

Man selbst hat sich auf den Weg gemacht sein Leben und die Welt zu verbessern. Nur leider gibt es da noch immer all die Mitmenschen, die noch immer nicht die Erlösung gefunden haben. Noch immer haben sie den Herrn Jesus nicht als ihren Retter anerkannt oder werfen noch immer ihren Müll auf den Boden, Rauchen auf Spielplätzen oder Fahren dicht auf mit ihrem teuren SUV.

Man kommt also schnell zu der Folgerichtigen Analyse, dass man von Idioten, Deppen, Versagern, Schwächlingen, Ungläubigen etc. umgeben ist. Das macht einen schnell wütend. Manche werden dadurch zu Einzelgängern, was in unseren modernen Zeiten gar nicht mehr der Fall sein muss. Man eröffnet einfach einen blog zu seinem Thema oder sucht sich gleichgesinnte auf Plattformen wie facebook. Schon ist man nicht mehr alleine gegen die Welt, sondern hat je nach Thema mehr oder weniger Mitstreiter. Macht ein gutes Gefühl, solange man sich in seiner kleinen Filterblase aufhält. Nur auf die Straße kann man dann nicht mehr gehen.

Kommen wir zum Menschenbild. Derzeit glaube ich, kein Menschenbild ist richtig. Alle Menschen sind negativ (ungläubige Umweltvernichter ohne Hirn und Herz) ist genauso falsch wie alle Menschen sind positiv (Engel auf Erden, die nur gutes im Sinn haben).

Das positive Menschenbild ist aber im Alltag viel nützlicher, solange man sich nicht in unvernünftige Gefahren begibt und vor allem, solange es nur um die eigenen Gedanken geht.

Ein paar handfeste Beispiele.

Ich fahre Auto und der Fahrer hinter mir fährt viel zu enge auf. Auf dieser Straße darf man 50 fahren, ich fahre bereits 55 und er drängelt noch immer. In dieser Situation begegne ich dem anderen nur in meinen Gedanken. Alles was passiert, passiert nur in meinem Kopf. Das ist ganz wichtig zu wissen.

Der normale Reflex dürfe allen bekannt sein. Der Depp, der Drängler, der arrogante Arsch mit seinem BMW, glaubt wohl er ist was besseres. Na warte, jetzt fahre ich erst recht nur 50. Ich werde ich es zeigen. Negative Gedanken, negative Gefühle, Herzrasen, Aggressivität etc.

Das Narrativ geht aber auch anders. Der arme Kerl hat gerade einen Anruf bekommen, sein Kind hat sich in der Schule einen Arm gebrochen, er soll so schnell wie möglich kommen. Oder seine Mutter liegt im Krankenhaus im Koma. All sein Geld und sein teurer Wagen sind ihm gerade ganz egal. Er hat seinen Kopf überall, aber nicht im Straßenverkehr. Er will einfach nur schnell ins Krankenhaus und würde jede Strafe der Welt zahlen für überhöhte Geschwindigkeit.

Beide Szenarien sind nur in unserem Kopf, völlig fiktiv, theoretisch möglich aber wir werden nie mit Sicherheit wissen, welche stimmt. Und das ist auch egal, denn es geht ja um unser Erleben. Beim zweiten (armer Kerl) fühle ich mich aber deutlich besser. In diesem Szenario fahre ich vielleicht sogar bei der nächsten Möglichkeit kurz rechts ran und winke aus dem Fenster dem armen Kerl zu, er soll überholen.

Das gleiche Umdeuten funktioniert bei so vielen Situationen in unseren Alltag. Der nervige Verkäufer am Telefon braucht diesen Job so dringend und hasst es total so nervig zu sein oder weiß nicht, dass er in einem anderen Job oder ganz ohne viel glücklicher wäre. Der Jugendliche, der auf dem Spielplatz raucht weiß sich einfach keinen anderen Weg zu rebellieren, seine Hormone und sein ganzes Leben sind so im Wandel, dass er gar nicht realisieren kann, dass schon ein paar Stummel ein Kleinkind töten können.

Wichtig: Dieses Umdeuten (Fachleute sprechen auch vom Refraiming) funktioniert immer da, wo sich unser Ärger vor allem im Kopf abspielt. Hierbei geht es nicht um ein Schönreden von Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten, die natürlich weiter zu verfolgen, zu bestrafen und zu rehabilitieren sind.

Positives Denken und Umdeuten der typisch negativen Gedanken über andere Menschen, kann aber unglaubliches bewirken, vor allem in unserem eigenen Erleben.

Und jetzt zurück zum Anfang. Gelingt mir das selbst? Nein, ich habe erst vor kurzem sehr unfreundlich auf einen Call-Center Anruf reagiert, mich sehr über diese nervige Art geärgert und meinem Ärger am Telefon ordentlich Luft gemacht. Und danach habe ich mich dann auch noch über mich selbst geärgert, weil ich so aus der Haut gefahren bin und mich so geärgert habe.

Daher kenne ich auch den Unterschied zwischen beiden Wegen und weiß, dass der Weg mit dem positiven Gedanken viel angenehmer und weniger anstrengend ist. Gelingt mir dieser Weg im Alltag?

Nicht immer, aber immer öfter.

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