Erster Arbeitstag in Teilzeit

Der erste Arbeitstag in Teilzeit (25 Stunden pro Woche) ist noch kein Gradmesser dafür, wie gut diese Idee wirklich war.

Die Anfahrt ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist Luxus in doppelter Weise. 30 Minuten von meiner Haustür bis zu meiner Bürotür. Dazu die Möglichkeit den eigenen Gedanken nachhängen zu können. Mit keinem anderen Verkehrsmittel (einmal abgesehen vom Flugzeug oder einer Mitfahrgelegenheit) ist das möglich.

Da ich außerdem derzeit versuche mein smartphone so wenig wie möglich zu verwenden, habe ich wieder viel Zeit in die Welt zu gucken. Aus dem Fenster schauen, mich mit anderen Kollegen auf dem gemeinsamen Weg unterhalten oder die Menschen um mich herum beobachten.

Dann ist da noch die Angst um die finanzielle Zukunft. Sicher wird mein Rentenanspruch eines Tages geringer ausfallen, sollte ich von nun an einen großen Teil meines Erwerbslebens nur noch in Teilzeit arbeiten. Deshalb auch die Selbstbeschränkung schon heute. Verzicht (!?) auf teure Urlaubsreisen, Verzicht auf das neuste smartphone Modell, Verzicht auf die neuste Mode, Verzicht auf teure Restaurants, Verzicht auf ein eigenes Auto, Verzicht auf eine Spielekonsole, Verzicht auf viel Besitz und Konsum.

Dafür viel Zeit mit meiner Tochter, meiner Freundin, meinen Eltern, meinen Geschwistern, meinen Freunden. Beides, lange Arbeiten und viel Freizeit, hat nicht funktioniert. Und der vermeintliche Verzicht auf all die „schönen“ Dinge des Lebens, bringt mir bisweilen auch mehr Zeit. Mehr Zeit, weil ich mich gar nicht erst um die weite Reise, die neue Technik, das richtige Restaurant, oder die neusten Spiele bemühen muss.

Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob es die richtige Entscheidung war, nicht mehr in Vollzeit zu arbeiten, aber es fühlt sich heute am ersten Tag sehr richtig an.

Marco Mattheis, 17.November 2015

4 thoughts on “Erster Arbeitstag in Teilzeit

    1. marcomattheis Post author

      Es steht ja jedem frei einmal durchzurechnen auf was der „verzichten“ müsste/könnte, um sich diesen Luxus auch leisten zu können, wenn der Arbeitgeber mitspielt. Es gibt ja auch andere Modelle, mit mehr oder noch weniger Stunden pro Woche. Vollzeit 40 Std. ist ja auch keine von Natur aus vorgegebene Stundenanzahl.

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  1. Gabi Raeggel

    Ich arbeite auch seit längerem in Teilzeit und mir geht es ähnlich: Es ist eine Erleichterung und Befreiung. Ich mache es ähnlich, dass ich auf teure Dinge, wie teure Urlaubsreisen, technischer Schnickschnack, Mode etc. verzichte. Aber das ist eigentlich kein Verzicht, sondern Entlastung. Nicht mithalten zu müssen in diesem überdrehten Konsumexpress fühlt sich einfach nur gut an. Bzgl. Rente wird es mir mitunter auch mulmig. Aber in erster Linie finanzieren wir derzeit mit Rentenbeiträgen die jetzige Rentnergeneration. Was für uns übrig bleiben wird, wissen wir eh nicht. Ich gehöre mit Mitte 50 z.B. zur sog. „Babyboomer-Generation“. Wenn die mal alle in Rente gehen, ist mir eh schleierhaft, wie das über das bisherige System finanziert werden soll. Und mir dann noch das jetzige Leben kaputt machen oder mich kaputt arbeiten: Davon hat keiner was. Schon gar nicht ich selbst.

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