digitale Diät: Warum es gut ist, sich nicht mehr ablenken zu lassen

Wie um mein Bauchgefühl zu bestätigen: Die aktuelle Ausgabe der flow (Heft Nr. 17) beschäftigt sich mit einem langen Artikel, um all die kleinen Ablenkungen der digitalen Welt: Mails, Anrufe, SMS, TV und natürliches alle kleinen Ablenkungen rund um das smartphone.

Der Artikel hat mein Bauchgefühl von gestern Abend mit guten Argumenten ausgemalt. Viele aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen, dass es uns nicht gut tut, wenn wir uns zu häufig am Tag ablenken lassen und zeigt auf, warum wir uns von Natur aus nur schwierig gegen Ablenkungen wehren können.

Unser Gehirn ist darauf programmiert unbewusst seine ganze Aufmerksamkeit blitzschnell auf visuelle und auditive Reize zu lenken. Das war einst wichtig, um zu überleben. Ein Schatten wo keiner sein sollte, ein unübliches Geräusch, eine plötzliche Veränderungen in unserem Blickfeld: Auf solche Reize ist jener Teil unseres Gehirns programmiert, der am ältesten ist. Er hat auch einen direkten Draht zu unseren Reaktionen. Daher fällt es uns so schwer nicht zu reagieren, wenn das smartphone vibriert oder klingelt, wenn eine E-Mail Benachrichtigung kommt oder eine andere Unterbrechung unsere Aufmerksamkeit fordert.

Wäre alles nicht schlimm, wenn Unterbrechungen uns gut tun würden. Tun sie aber nicht. Erst nach etwa fünfzehn Minuten konzentrierter Tätigkeit an einer Sache, kommen wir in das sog. flow Gefühl, dieses Abtauchen in einer Tätigkeit, wenn alles um uns herum unwichtig wird und wir ganz in einer Sache aufgehen.

Werden wir vorher unterbrochen, braucht unser Gehirn wieder etwa zwei Minuten um sich wieder auf die Aufgabe zu konzentrieren. Bei einer wichtigen Aufgabe alle paar Minuten von seinem smartphone unterbrochen zu werden (und sei es auch nur für 30 Sekunden), ist daher ein Lustkiller. Und für alle Freunde des Multitasking: Auch die Effizienz sinkt nachweislich.

Es gibt demnach nur einen einzigen sicheren Ausweg gegen digitale Ablenkung: Sich ausklinken. Ausschalten. Abschotten!  Zumindest zeitweise.

Wie ist das zum Beispiel nur einmal pro Stunde auf sein smartphone zu schauen? Oder nur alle 2 Stunden? Oder nur dann, wenn man die Zeit und Lust hat die Mitteilung auch gründlich zu lesen und darauf zu antworten? Ich werde es probieren.

Eine weitere wichtige Erkenntnis aus dem Artikel: All diese kleinen Pausen, die wir ständig benutzen, um einen kurzen Blick auf unser smartphone zu werfen, sind eigentlich sehr wichtig für unser Hirn, um die Informationen des Tages im unbewussten Arbeitsspeicher unseres Gehirns zu verarbeiten. Nimmt man sich also all diese kleinen Wartezeiten (Bus, Wartezimmer, der Kaffee läuft durch, man sitzt auf dem Klo), dann nimmt man seinem Hirn die Chance wichtige Informationen abzuspeichern (digitale Demenz) und zu entscheiden was im Gedächtnis bleiben darf, und was tiefer versinken darf.

Der Artikel ist dabei keine Aufforderung sein smartphone abzuschaffen und nie wieder ins Internet zu gehen. Er ist aber ein Appell selbst zu entscheiden, wann man das tut, und diese Entscheidung nicht vom Piepen oder Vibrieren eines technischen Gerätes abhängig zu machen.

Das trifft bei mir derzeit einen Nerv und bringt mich selbst zum vibrieren. Die Nachricht dabei ist eindeutig: Selbstbestimmt entscheiden, wann man abgelenkt werden möchte, um sich weiterhin auf die Dinge konzentrieren zu können, die man selbst als wichtig ausgewählt hat. 

Marco Mattheis, 17.April 2016

 

2 thoughts on “digitale Diät: Warum es gut ist, sich nicht mehr ablenken zu lassen

  1. Tanja Heller

    Ich hab mal von 20 Minuten gelesen, dass man solange braucht um in eine neue Tätigkeit zu kommen. Mir geht es viel besser seit ich nicht mehr umgehend auf Mails reagiere sondern mir Zeit lasse und mich frage, ob die Mail überhaupt einer Antwort bedarf.

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    1. marcomattheis Post author

      Absolut, auf der Arbeit klappt das sehr gut. Bisweilen verpasse ich eine “wichtige” Mail, die aber nicht dringend ist. Bei dringenden Sachen klingelt immer das Telefon oder jemand betritt den Raum. Privat fange ich jetzt auch damit und habe so gut wie alle Benachrichtigungen an meinem smartphone ausgeschaltet. Mal sehen was ich jetzt in den kommenden Wochen so dringendes verpasse. Vermutlich gar nichts, was einer echten Offenbarung gleichkäme.

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