Auf Wanderschaft (1)

Üblicherweise schreibe ich in meinem blog nicht über Dinge, die ich plane. Viel lieber berichte ich über Erfahrungen. Ganz konkret und real. Hätte, könnte, wollte, sollte, so will ich nicht erzählen.

Meine geplante Geschichte geht so: Nächstes Jahr im Sommer will ich mit meinem Rucksack für eine Woche zu Fuß durch die Wälder ziehen. Ich sehe mich selbst mit einem voll beladenen Rücken mit allem was man braucht dabei wie ich auf einem Waldweg stehe. Es ist angenehm warm, der Tag steht noch bevor. Vielleicht wird es heiß, vielleicht schattig. Nur der Weg durch die Wälder und ich. Mit Karte und Kompass, bis auf ein Notfallhandy im Rucksack keine Technik. Zelt und Schlafsack sind dabei und ein Kocher mit Geschirr, um den Proviant zu erhitzen und einen heißen Kaffee am Morgen. Ein Abenteuer liegt vor mir. Ich mag dieses Bild. Es erzeugt in mir eine ruhige Vorfreude. Es ist romantisch und regenfrei, nur blauer Himmel.

Das einzige Wölkchen am Himmel ist die Realität: Ich besitze bis auf den Rucksack keinerlei Ausrüstung und habe seit meiner Kindheit ein echtes Problem damit nicht in meinem eigenen Bett zu schlafen. Es ist keine Angst , die therapeutisch behandlungsbedürftig ist. Ich kann mit meiner Familie gut in den Urlaub fahren, in Ferienwohnungen übernachten. Aber in fremder Umgebung ohne klaren Ort für die nächste Nacht. Das ist etwas ganz anderes. Der Gedanke erschreckt mich.

Und hier beginnt das Abenteuer. Anders als erfahrene Trecking-Abenteurer oder Camping-Urlauber, habe ich keine Ahnung, was mich da erwartet. Nur dieses romantisch verklärtes Bild. Und ein Plan: Um den Sprung etwas abzufedern, werde ich mir Monat für Monat ein bisschen mehr Ausrüstung anschaffen und sie testen. Mich testen. Üben. Einen Rucksack habe ich schon gekauft und probiert. Mein kleiner Reisebericht „Zu Fuß von Bochum nach Essen“ erzählt davon. Eine Campingtasse mit Besteck und Kocher aus edlen Titan besitze ich ebenfalls schon. Die Tasse habe ich kürzlich getestet, mit Milch am heimischen Kochherd. Lagerfeuerromantik Marke Einbauküche.

Ich hoffe noch immer auf einen Gefährten für den Sommer, ein guter Freund überlegt, aber ich glaube er zögert, und ich kann ihm aus vielen Gründen nicht böse sein. Weil ich per se niemandem für sowas böse wäre, weil er ein Freund ist, und weil es wieder eines dieser Projekte ist, von denen ich selbst nicht sicher bin, ob ich den Mut und die Disziplin aufbringen werde, sie durchzuführen. Ich habe den Kampf gegen meinen inneren Schweinehund schon ein paar Mal gewonnen. Seit über einem Jahr treibe ich dreimal pro Woche Sport, ich trinke meinen Kaffee ohne Zucker (bald schon 100 Tage, Ziel erreicht) und abgesehen von dem noch zu schreibenden Bestseller Roman (die ersten Seiten sind schon seit Jahren mehrfach fertig, man wird das ein Kracher), habe ich bisher getan, was ich mir vorgenommen habe. Wäre mein Plan eine Aktie oder ein edler Whiskey, die Risiken wären überschaubar. Das ganze wird natürlich auch Geld verschlingen. Alleine deshalb ist jeder Zweifel bei meiner Reise als Gefährte mitzukommen berechtigt. Und es wird meinen Minimalisten-Besitzstand nach oben schleudern und mir vielleicht gleichzeitig wieder einmal vor Augen führen, wie wenig es braucht für glückliche Momente im Leben.

Ob mit Gefährten oder ohne, ich werde über meine Fortschritte hier regelmäßig berichten. Als nächstes ist die Anschaffung eines Schlafsacks und einer Isomatte geplant, die dann natürlich getestet werden müssen. Also eine erste Nacht nicht im eigenen Bett. Eher davor. Na, das wird ein Bild abgeben. Aber großen Ängsten begegnet man vielleicht noch am ehesten mit diesen kleinen Babyschritten. Dieser Beitrag ist also als Auftakt einer ganzen Reihe  die dann in einem ausführlichen Reisebericht im Sommer 2016 endet.

Marco Mattheis, 2.Dezember 2015

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