Altersarmut – Ein Schreckgespenst?

Gedanken über ein heikles Thema von einem, der noch einige Jahrzehnte vom Alter entfernt ist. Aber das Thema Altersarmut betrifft ja eben nicht nur alte Menschen, sondern gerade auch junge, die sich mehr oder weniger Sorgen machen, einmal unter Altersarmut zu leiden.

Altersarmut, ein Schreckgespenst?

Das Schreckgespenst Altersarmut lauert scheinbar jungen Menschen an jeder Ecke auf. Und wer sich keine Sogen machen lässt, ist naiv und unverantwortlich.

Man soll viel arbeiten und viel sparen, damit man nicht in die Altersarmut fällt! Gerne hilft hier die Versicherungswirtschaft weiter. Lebensversicherungen, Sparpläne, Aktien, Hauskauf, betriebliche Altersvorsorge etc. Dabei ist es gar nicht so sicher, dass man sein Vermögen bis zur Rente auch sicher behält. Arbeitslosigkeit, Wertverfall von Immobilien, Krise am Aktienmarkt, Insolvente Versicherungen etc. So richtig verjagt kriegt man dieses Schreckgespenst also nie.

Im Wort Altersarmut steckt Zündstoff!

Alter: Auf den ersten Blick die Zeit nach dem Arbeitseinkommen, die Rentenzeit, die je nach Anpassung der Gesetze früher oder später eintreffen wird. Vielleicht für meine Generation erst bin 70? Oder doch mit 60 um irgendeine Statistik zu bereinigen? Aber ist das nicht auch alles Zukunftsmusik?

Mit Prognosen ist das ja so eine Sache. Glaubt man der Wissenschaft, sind Prognosen, die über zwei Jahrzehnte hinausgehen ohnehin unseriös. Zwanzig Jahre zuvor hat niemand die Pille für die Frau kommen sehen, ebenso beim Internet.

Dann der Begriff der Armut: Eine ganze Forschungsrichtung widmet sich ausschließlich diesem Begriff und Phänomen. Das Thema ist vielschichtiger als auf den ersten Blick vermuten lässt. Altersarmut ist mehr als nur der Umstand nach dem Erwerbsleben aufstockende Leistungen vom Sozialamt beziehen zu müssen.

Da gibt es die relative Armut. Sehr vereinfacht ausgedrückt: Hast du monatlich 50% weniger als der Durchschnitt der Gesellschaft, in der du lebst, bist du arm.

Es gibt aber auch die absolute Armut, hier darf sich jeder einmal global vergleichen. Wer in Deutschland also offiziell arm ist, dürfte nicht ohne Grund vom größten Teil der restlichen Weltbevölkerung um seinen Reichtum beneidet werden.

Dann ist da noch die historische Sichtweise, denn im Vergleich zu unseren Vorfahren vor einigen hundert Jahren, leben wir heute alle wie Könige.

Und trotzdem ist die Angst im Alter arm zu sein nicht minder real und konkret. Kein Geld zu haben die eigenen Kinder zu besuchen oder den Enkeln ohne Zögern ein Eis zu kaufen. Kein Geld für wichtige Medikamente. Mit verkniffenem Blick durch die Welt laufen, weil man sich keinen Brille leisten kann. Der Wunsch im Alter die Welt bereisen zu können, ein unerfüllbarer Traum.

Das alles sind konkrete Ängste, die auch mich manchmal heimsuchen. Vor allem da ich jetzt weniger Arbeite, also auch weniger in die Rentenkasse einzahle. Vielleicht werde ich im Alter auf den Staat angewiesen sein? Ein Gedanke, der bisweilen hilflos macht.

Altersarmut, mehr als nur ein leeres Konto

Noch mehr Angst habe ich jedoch vor den weniger finanziellen Ängsten. Einsamkeit! Ohne Familie, ohne Freunde und ohne Freude am Leben, unglücklich und vielleicht sogar erbost über die Gesellschaft in der ich lebe? Ein alter Mann, der alleine vor sich hin lebt, zwar mit einer guten Rente, aber dafür alleine und missmutig? So will ich im Alter auch nicht leben. Was hätte ich dann davon ein Leben lang viel gearbeitet zu haben?

Wenn ich an meine Idealvorstellung im Alter denke, dann stelle ich mir das so vor:   Ich bin umgeben von Menschen, mit denen ich laut nachdenken kann. Wo und wie ich wohne ist mir dabei nicht so wichtig. Nur umgeben von klugen und schön denkenden Menschen, das möchte ich sein. Von solchen, die ein wenig verwegen und schelmisch lachend daherkommen, die sich nicht unterkriegen lassen von ihre Gebrechen und nicht müde werden Kontakt zu halten mit anderen Menschen und dem Leben.

Und sicher hoffe ich, dass mein heutige Lebensstil des Minimalismus und der Genügsamkeit dazu beiträgt, dass ich im Alter nicht überfordert werde von zu viel Besitz und Konsumerwartungen und von zu viel (!) Technik, die ich kaum noch verstehe und organisieren kann.

Welche Gedanken oder Erfahrungen habt ihr zum Thema Altersarmut? Ist es eine reale Gefahr oder eher Schreckgespenst?

 

7 thoughts on “Altersarmut – Ein Schreckgespenst?

  1. Mathias

    Hallo. dieses Thema treibt mich auch und immer wieder denke ich dabei an die guten alten Mehrgenerationenhäuser.
    Warum sollte man im Alter nicht auch wieder in eine weitestgehend selbständige WG ziehen?
    Man muss nur gleichgesinnte Menschen finden und darf die nicht an den heute alten Menschen aus der Nachkriegsgeneration messen.
    Sie werden freier sein. So wie wir es sind. Und die Möglichkeiten diese Menschen zu finden werden in 30 Jahren unendlich sein.
    Oder, und noch viel besser, man hat diese Menschen bereits um sich, da man sich schon viele Jahre auf das Alter “vorbereitet” hat und nach eben jenen Menschen mit denen man zusammen alt sein will bereits gefunden.
    Weniger Wochenarbeitszeit ist da der richtige Schritt gewesen. 🙂

    Grüße, Mathias

    Reply
    1. marcomattheis Post author

      Den Punkt finde ich auch wichtig. Unsere Generation wird anders im Alter leben, weil wir eine völlig andere Epoche erlebt haben. Das ist in einem Kommentar gar nicht zu fassen, was das für einen immensen Unterschied machen wird, vor allem da den meisten von uns ja noch einige Jahrzehnte bevorstehen, bevor sie tatsächlich als alt gelten dürfen.

      Reply
  2. Astrid

    Sehr gelungenes Thema. Und ich bin fest davon überzeugt, dass Altersarmut neu definiert werden muss und auch kann. Und sehr wohl davon abhängig ist, was ich an materiellem Besitz und Konsum wirklich brauche. Vor allem aber auch, mit wem ich in Zukunft zusammen gehen kann. Es braucht, wie bei allem, Avangardisten, die zeigen, dass es auch anders geht. Wenig brauchen heißt für mich Freiheit. Und ich suche mir den Teich, in dem ich schwimme und nicht allein bin.
    Liebe Grüße aus Berlin
    Astrid

    Reply
    1. marcomattheis Post author

      Vor allem wird es problematisch glücklich zu altern, wenn die stetige Steigerung von allem als Inbegriff des Glücks gilt. Irgendwann ist man zwangsläufig nicht mehr schnell genug, all die Dinge und Services zu bedienen, die man angehäuft hat. Ich persönlich glaube auch nicht, dass ich mit 70 noch die Lust habe, so viel Zeit in die technische Einrichtung eines Gerätes zu investieren, wie noch vor einer Weile. Natürlich sehe ich auch, dass die Technik dem Menschen in den letzten Jahrzehnten entgegen gekommen ist. Die ersten Computer waren im Vergleich zu einem heutigen ipad etc. geradezu Benutzerfeindlich.
      Häufig unter geht aber, der von dir angesprochene Punkt unter in der Thematik, nämlich die Frage, mit wem man im Alter zusammen leben möchte, vor allem da unsere Generation häufig nicht mehr den klassischen “bis der Tod euch scheidet” Weg geht. Natürlich kann das Internet auch helfen im Alter nicht einsam zu sein, wobei es mir lieber wäre ganz real mit möglichst vielen Menschen möglichst nah (räumlich) verbunden zu sein. Wer könnte sich das nicht vorstellen, im Alter in einem großen Haus oder Anwesen zu leben, um geben von Freunden und Familie, die man über ein Leben hinweg gefunden hat?

      Reply
      1. Mathias

        Aber diese stetige Steigerung ist ja nicht unser Primat. Daher würde ich das gar nicht ernst nehmen. Man sollte halt akzeptieren das man mit ausreichender Konsequenz nicht in der Mitte der Gesellschaft steht. Will man ja auch gar nicht. Aber im Normafall hat der Mensch Hemmungen die gewohnten Pfade zu verlassen. Damit meine ich aber nichtmal die großen Fragen, sondern die vielen Alltagsgewohnheiten. Vor allem aber Dinge die man als Kind gelernt hat und seitdem nie wieder RICHTIG hinterfragt hat. Daher merkt man viele Muster im Verhalten oft gar nicht, da man sie als absolut gegeben hinnimmt.

        Der Königsweg zu mehr Gelassenheit ist ein dauerhafter Fluchtpunkt außerhalb des Bekannten. Zum Beispiel ein Garten oder so, in welchem man an sich auch leben kann. Ein Domizil im Grünen, weg von den gewohnten Wegen zwischen Arbeit, Stadt und Heim kann sehr befreiend wirken. Ich nutze das zum Gemüseanbau mit dem Ziel wirklich etwas einzuwecken und das macht auch frei. Man braucht ja nur Essen und einen Platz zum Schlafen. Und ein gutes Buch! 🙂

        Reply
  3. Anja

    Hallo Marco,

    ich sehe es weder als Gespenst noch als Gefahr sondern als eine Tatsache – nach dem heutigen Stand der Dinge.

    Sich daher allein auf den materiellen Aspekt zu stützen, was die Altersvorsorge betrifft, könnte einen daher beinah schon heute in eine Ohnmacht fallen lassen. Gewisse Dinge kann der Einzelne nicht ändern, noch die Zukunft vorausschauen …

    Was kann ich jedoch selbst tun? Mir heute schon über das bewußt werden, was ich wirklich brauche und was für mich entbehrlich ist. Deine immer wieder angesprochene “Reduzierung der Fallhöhe” ist in diesem Zusammenhang auf jeden Fall ein guter Weg. Ich investiere in langlebige Dinge und gebe dafür schon jetzt lieber ein paar Euro mehr aus. Ich kann mir Wissen aneignen, um mein Eigentum zu pflegen, selbst zu reparieren, die Abhängigkeit von Dritten zu reduzieren … Ich reise lieber heute, wer weiß, was morgen ist und ob ich die Rente überhaupt in einem gesundheitlichen Zustand erreiche, mit dem ich dann noch die Kraft habe, immer wieder aufgeschobene Träume zu verwirklichen.

    Viele Grüße aus Berlin,
    Anja

    Reply
  4. Gabi Raeggel

    Hallo Marco, ein interessanter Blogbeitrag. Insbesondere auch für mich mit Mitte 50. Ich gehöre zu der sog. “Babyboomer-Generation”, d.h., bin ich irgendwann im Rentenalter, sind es ‘zig andere auch, woher soll das Geld dann beim jetzigen System kommen?
    Was ich noch mit bekomme, wie manche Leute leben, wo sie alt sind. Ich kenne inzwischen etliche ältere Leute, die seit Jahren nicht aus ihrer Wohnung kommen, vom Pflegedienst versorgt werden und ansonsten vor’m Fernseher vor sich hin vegetieren. Die, die sich noch bewegen können, tuns nicht, sitzen freiwillig alleine in der Wohnung und isolieren sich – obwohl sie doch noch ausreichend Rente habe. Das ist für mich die schlimmste Form von Armut: Inmitten des ganzen über Jahre gesammelten Kram sitzen, damit überfordert sein, (putzen, pflegen, rutschende Teppiche), aber auch nicht loslassen und sozial zu vereinsamen.
    Was immer wirtschaftlich wird: keine Ahnung. Aber was ich weiß: Ich will und werde mich definitiv später nicht mit angehortetem Zeugs überlasten, überfordern und einigeln. Gerade mit zunehmendem Alter ist es wichtig, dass das Leben einfacher wird. Gerade dann macht Minimalismus mehr als Sinn und Sozialkontakte sind mir allemal wichtiger, als irgendein angesammelter, aber letztlich überflüssiger Kram.

    Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.